Technologie-Boom 2.0: Dieses Mal ist alles anders – wirklich?

Technologie-Boom 2.0: Dieses Mal ist alles anders – wirklich? 

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Das Barometer der US-Technologiebörse Nasdaq eilt von Rekord zu Rekord. Die legendären Höchststände um die Jahrtausendwende hat es längst hinter sich gelassen. Wie jede Hausse, hat auch diese ihre Proxies: die FANG Stocks. Facebook, Amazon, Netflix und Google repräsentieren den Aufschwung der letzten Jahre wohl am besten und sind dieser Tage in aller Munde. Und auch die Treiber dieses erneut starken Anstiegs der High-Tech-Werte sind schnell ausgemacht: Unbegrenzte Mobilität, E-Commerce und Social Media. In einzelnen Subindustrien können Anzeichen einer Goldgräberstimmung beobachtet werden, welche an die Dot.Com Euphorie der späten 90er Jahre erinnert. Wiederholt sich der Technologie-Boom?

Rückblick auf die Internetblase

Blicken wir 20 Jahre zurück. Mit Ausnahme von Amazon.com hat es die FANG Stocks damals noch gar nicht gegeben. Ikonen und Unternehmen, die den Zeitgeist am besten verkörperten jedoch schon: Firmen wie Cisco Systems, Nokia, JDS Uniphase, Nortel Networks waren omnipräsent und die Investoren glaubten an unbegrenztes Wachstum. Die Bewertungen der Unternehmen waren exorbitant, obwohl viele der Dot.com-Firmen kaum Umsätze, geschweige denn Margen oder Gewinne vorweisen konnten. Kapitalmarktteilnehmer waren so euphorisch, dass sie sich mit einem gut ausgearbeiteten Businessplan sowie einer hervorragend vorgetragenen Powerpoint Präsentation begeistern liessen. Der Exzess gipfelte in der Fusion zwischen America Online (neue Welt) und Time Warner (alte Welt). Die wohl katastrophalste Firmenhochzeit aller Zeiten.

Alles anders?

Die wohl teuersten fünf Wörter beim Investieren sind: „Dieses Mal ist alles anders“. Ob sie zutreffen? Im heutigen Boom wird öfters von einem neuen Paradigma geredet, so wie zur Jahrtausendwende oder bei den Nifty Fifty Firmen in den 70-iger Jahren. Doch die Situation ist heute tatsächlich eine andere. . Facebook und Co. sind profitable, globale Unternehmen und haben kaum mehr etwas mit dem Technologie-Boom 1.0 zu tun. Bei Apple kommt sogar zeitweise das Gefühl auf, diese Firma habe die Lizenz zum Gelddrucken – bei einem Umsatz von über 250 Milliarden US-Dollar und einem Jahresgewinn von über 50 Milliarden US-Dollar. Die Bewertungen dieser integrierten Technologiekonzerne sind zwar nicht mehr günstig, aber sie sind meilenweit vom Bewertungsniveau des Jahres 2000 entfernt. Ist dieses Mal also doch alles anders?

Ursache verschieden – Wirkung die gleiche!

Nein, natürlich nicht. Die Zutaten bzw. die Ursachen können heute durchaus anders sein als in der Vergangenheit. Die Firmen sind viel reifer, machen solide Umsätze, haben hervorragende Gewinnmargen und zahlen sogar ihre Gewinne in Form von Dividenden aus.

Das Verhaltensschema der Investoren ist hingegen immer noch das Gleiche. Auch in dieser Aufwärtsbewegung haben die Kapitalmarktteilnehmer ihre Darlings – in Form der FANGs. Jeder aktive Fondsmanager und Hedge-Funds-Manager ist mittlerweile auf diesen Zug aufgesprungen und versucht so, relativ einfach Alpha zu generieren. Aufgrund der enormen Marktkapitalisierung dieser Firmen – Apple ist beispielsweise über 900 Milliarden US-Dollar schwer – wird diese Tendenz von passiven ETF-Produkten zusätzlich verstärkt. Sie müssen die Firmentitel kaufen, um den Index passiv nachbilden zu können. Die Spirale dreht sich unaufhörlich nach oben. Viele dieser Titel haben sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Das Rückschlagpotenzial ist nicht zu unterschätzen.

Bis zum Morgengrauen

Jeder Marktteilnehmer möchte die Party solange wie möglich geniessen – bis zum Morgengrauen. Doch gerade in der letzten Phase der Kursentwicklung lassen sich viele Investoren primär durch Gier leiten und blenden Risiken komplett aus. Was kann man dagegen tun?

Die Antwort ist auf dem Papier einfach, aber in der Realität schwierig umzusetzen, denn kein Teilnehmer möchte die Party als Erster verlassen: Einerseits sollten immer wieder Gewinne realisiert werden, denn Kursgewinne sind nur auf dem Papier vorhanden. Andererseits sollte ein Risikomanagement mit Stop-Loss-Limiten implementiert werden, um grosse Verluste zu vermeiden und Kapital zu sichern.

Den Zeitpunkt, wann man die Party verlässt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist: „Dieses Mal ist alles anders“ bleiben die wohl fünf teuersten Worte beim Investieren.

 

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