Münzfernsprecher: Kurze Gespräche für kleines Geld

Münzfernsprecher: Kurze Gespräche für kleines Geld 

„Ohne Coins kein Call“ hiess es in Zeiten, als Handys noch Zukunftsmusik waren und man Telefongespräche unterwegs per Münzfernsprecher führen musste. Mittlerweile sind die einstigen Telefonzellen stylische Nostalgieprodukte.

Heute, im Smartphone-Zeitalter, entscheidet allenfalls der Ladezustand des Akkus darüber, ob und wie lange wir telefonieren können. Bis in die 1990er Jahre hinein brauchte man aber vor allem einen grossen Vorrat an Münzen, wenn man in einer Telefonzelle seinen fernmündlichen Kommunikationsbedürfnissen nachkommen wollte. Und der Vorrat musste umso grösser sein, da manche Münzen aus unerfindlichen Gründen einfach durchfielen.

Telefonzellen, bisweilen auch etwas liebevoller Telefonhäuschen genannt, seien eine Evolutionsstufe zwischen Rauchzeichen und Smartphones, schreibt augenzwinkernd eine deutsche Journalistin. Dafür haben sie sich aber recht lange gehalten – wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil der Festnetzanschluss zuhause noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts vielfach als Luxus galt.

Telefonieren – nur mit Billett

Im Jahr 1878 wurden in New Haven (USA) von der District Telephone Company die ersten Telefonzellen getestet, wenige Jahre später kamen sie nach Europa. In Berlin wurde der erste „Fernsprechkiosk“, wie Telefonzellen damals offiziell hiessen, in Betrieb genommen. Wer telefonieren wollte, musste im Postamt ein Telefonbillett erstehen. Das kostete 50 Pfennig, dafür konnte man 5 Minuten telefonieren. Um die Jahrhundertwende folgten dann die ersten Münzfernsprecher.

Doch damals hatte wohl keiner gedacht, welch bizarre Blüten die Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg treiben würde. Wenn schon ein Brötchen 25 Milliarden Mark (!) kostete, konnte man mit offiziellen Geldmünzen in der Telefonzelle nicht mehr allzu viel anfangen. Deshalb brachte die Post vorübergehend spezielle Telefonmünzen heraus. Es sollte bis in die 1980er Jahre dauern, bis die ersten Versuche mit Kartentelefonen begannen. Was dann allerdings auch vielfach für Frustrationserlebnisse sorgte. Hatte man eine Telefonkarte in der Brief- oder Handtasche, fand man mit Sicherheit ein Münztelefon. Verfügte man hingegen über ausreichend Kleingeld, geriet man an einen Kartenautomaten. Oder aber das Telefon funktionierte überhaupt nicht mehr, weil Telefonzellen eines der beliebtesten Ziele von Vandalismus waren.

Wenn aus Telefonzellen Mini-Diskos werden

Dennoch – auch wenn in Handyzeiten die Telefonzellen nach und nach aus dem Alltag verschwunden sind, so ganz will sich mancher dann doch nicht von ihnen trennen. So hat ein Berliner Start-up die Häuschen zu Mini-Diskotheken umfunktioniert – mit Jukebox und Diskokugel statt Münzfernsprecher. Ein anderes Unternehmen bietet für einen mittleren fünfstelligen Preis stylishe Telefonzellen fürs Büro. Schallabsorbierend, belüftet und mit Barhocker soll sich die Zelle als komplentativer Arbeitsplatz einigen. Und an manchen Seen und in Freibädern wurden aus Telefonzellen – blickdicht umgestaltet – Umkleidekabinen.

Leselinks
Ausstellung mit Telefonzellen aus den 1930er, 1950er, 1970er und 1990er Jahren im Museum für Kommunikation Frankfurt
Private Seite mit kleiner Geschichte der Telefonhäuschen

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