The Man Who Sold the World: Die Geschichte der „Bowie-Bonds“

The Man Who Sold the World: Die Geschichte der „Bowie-Bonds“ 

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Ob Pop oder Film: David Bowie (1947-2016) war ein künstlerisches Chamäleon. Doch Erfolge feierte Bowie nicht nur auf den Bühnen, sondern auch an der Börse: Vorhang auf für die «Bowie-Bonds».

Musiker, Musikproduzent, Schauspieler, Maler – keine Frage: David Bowie, mit bürgerlichem Namen David Robert Jones, war ein Künstler von Weltformat. Mit Songs wie «Let’s Dance», «Under Pressure» oder «Space Oddity» – David Bowie ist einer der «Heroes» der Popgeschichte, wie ein weiterer seiner Welthits heisst.

«The Man Who Sold the World»

Mit «The Man Who Sold the World» schrieb Bowie 1970 einen Song, dessen Titel eine weitere, weniger bekannte Seite des Ausnahmekünstlers vorwegnehmen sollte: die des erfolgreichen Businessman. Statt auf die wechselhaften Erträge aus den CD-Verkäufen zu hoffen, landete Bowie Anfang 1997 einen Coup: Anlässlich seines 50. Geburtstags gab er eine Anleihe heraus, die er mit den zukünftigen Einnahmen seiner ersten 25 Alben (insgesamt 287 Songs) absicherte. Die «Bowie Bonds» mit einer Laufzeit von 10 Jahren brachten dem Sänger auf einen Schlag 55 Millionen US-Dollar ein. Gezeichnet wurde die Anleihe vollständig durch den amerikanischen Versicherer Prudential Life, der sich von den 7.9% Zinsen ein gutes Geschäft versprach – US-Staatsanleihen warfen im Vergleich dazu «nur» 6.37% ab. Die «Bowie Bonds» wurden mit einem Rating von «A3» bewertet; immerhin bürgte der Musikkonzern EMI für Einspielergebnisse in der Höhe von 30 Millionen Dollar.

Die Anleihe war ein Paukenschlag. Auf dem Londoner Finanzplatz galt die Emission, obgleich mit 55 Millionen Dollar vergleichsweise bescheiden, als eine Riesending. Hinter dem Deal stand der Investmentbanker David Pullman, und angesichts des Erfolgs liessen Nachahmer nicht lange auf sich warten: Rod Stewart, Iron Maiden oder James Brown griffen in der Folge ebenfalls zum Instrument der «Bowie Bonds».

«Asset-backed Securities»

Sogenannte «Asset-backed Securities» – Wertpapiere, die durch künftige Erträge abgesichert werden – lagen Ende der Neunzigerjahre im Trend. 1996 hatte das weltweite Verbriefungsvolumen 165 Milliarden Dollar betragen, und in den folgenden zehn Jahren sollte sich diese Summe vervielfachen. Doch dann begann sich das Blatt zu wenden: 2007 gerieten die Verbriefungen in den Strudel der Subprime-Krise; enorme Wertverluste waren die Folge. Die Papiere gerieten gar in den Verdacht, für die dramatischen Einbrüche mitverantwortlich zu sein und galten mit einemmal als «toxisch».

Heute hat sich der Ruf der «Asset-backed Securities» wieder etwas erholt. Doch das CD-Geschäft ist tot, und Musiker-Bonds gehören der Vergangenheit an. Weil die CD-Verkäufe immer mehr zurückgegangen waren, wurden Bowies Bonds schon 2004 von «A3» zu «Baa3» herabgestuft, nur wenig über der Schrottgrenze. David Bowie aber, dieser genialische Verwandlungskünstler, hat sein Geschäft gemacht: Die 55 Dollarmillionen nutzte er geschickt dazu, sein Management auszuzahlen und die Rechte an seinen Songs zurückzukaufen.

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