„Ticker tape parades“: Wie die New Yorker Börse das Konfetti erfand

„Ticker tape parades“: Wie die New Yorker Börse das Konfetti erfand 

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Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, und dabei dürfen Konfetti nicht fehlen. Das Wort kommt aus Italien, aber tatsächlich stammen die Papierschnipsel von der Wall Street.

Mit einem offiziellen Festakt weihte die Stadt New York am 28. Oktober 1886 ihre neu gebaute Freiheitsstatue ein. Bis zu einer Million Menschen säumten die Strassen, um dem Bauleiter und früheren Army-General Charles Pomeroy Stone und dem amtierenden US-Präsidenten Grover Cleveland zuzujubeln. Der Umzug begann um 9 Uhr am Madison Square, führte über die Fifth Avenue zum Washington Square Park, dann dem Broadway und der City Hall entlang. Als der Umzug an der New Yorker Börse vorbeikam, geschah etwas gänzlich Unerwartetes: Die Börsenhändler begannen, mit vollen Händen Telexstreifen (auf Englisch „ticker tapes“) mit den aktuellen Börsenkursen aus dem Fenster zu werfen. Tausende Papierstreifen kringelten sich in der regenfeuchten Luft.

This was altogether too much fun

… , kommentierte begeistert die New York Times.Was ausgesehen hatte wie ein künstlicher Schneesturm, ging als erste „ticker tape parade“ in die Geschichte ein.

Das Spektakel fand solchen Anklang, dass die Ticker-Luftschlangen zehn Jahre später bei einer Parade zu Ehren des republikanischen Präsidentschaftskandidaten William McKinley einen neuerlichen Auftritt hatten; 1899 wurden der hochdekorierte Admiral George Dewey, 1910 der abgetretene Präsident Theodore Roosevelt mit einer «ticker tape parade» geehrt. Als 1919 der New Yorker Infrastruktur- und Gärtnereidirektor Grover Whalen mit dem Amt des „Official Greeter“ betraut wurde – am ehesten zu vergleichen mit einem PR-Verantwortlichen –, zählten die Telexstreifenparaden bald zum feierlichen Standardrepertoire. Allen Sicherheitsbedenken zum Trotz, das Ringelpapier könne die Pferde scheu machen und die Feiernden gefährden (tatsächlich hatte es an einer der Paraden ein ganz besonders festfreudiger Büroangestellter versäumt, vor dem Wurf die Seiten aus einem Telefonbuch zu reissen, worauf der Band mehrere Stockwerke tiefer einen Passanten k. o. schlug), wurden allein zwischen 1919 und 1953 insgesamt 86 solcher Papierschlachten geschlagen – zu Ehren von Generälen und Kriegshelden, aber auch des 1921 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Physikers Albert Einstein oder des Fliegerpioniers Charles Lindbergh, dem 1927 mit der eigens dafür gebauten „Spirit of St. Louis“ der erste Nonstopflug von New York nach Paris gelungen war.

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Obwohl New York als Heimat der Börsentickerkonfetti gilt, werden „ticker tape parades“ heute in vielen Städten der USA abgehalten. Geworfen werden allerdings nicht mehr Lochstreifen von der Wallstreet, sondern bunte, säuberlich gestanzte Schnipsel mit italienischem Namen. „Konfetti“ kommt von „confetto“ (wie in „Konfekt“ oder „Konfitüre“), und tatsächlich pflegten die Fürsten Italiens im 18. Jahrhundert beim Karneval Süssigkeiten – ursprünglich Mandeln mit einer farbigen Zuckerglasur – in die Menge zu werfen. Weil sich auch Granden aufs Sparen verstehen, wichen die Zuckermandeln mit der Zeit feinen Gipsflocken und schliesslich, weil sie sich länger in der Luft hielten, Papierstreifen aus Aktenvernichtern oder dem Abfall, der beim Perforieren von Endlospapier für Nadeldrucker anfiel.

Tempi passati. Die bunten Konfetti der Postmoderne kosten je nach Farbe 10 bis 20 Franken pro Kilo und sind im Onlineshop erhältlich, zur Luftschlacht passend mitsamt knallbunter Konfettikanone.

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