Tierisch Investiert? Einsichten in aktives und passives Investieren 

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Die Tageszeitung Chicago Sun Times führte vor einigen Jahren einen ungewöhnlichen Anlagetest durch: Sie liess mehrere Jahre lang einen Kapuzineraffen fünf beliebige Aktien zu einem Portfolio zusammenstellen. Der Affe hiess Adam Monk und kreuzte jedes Jahr Aktien auf einer Kurstabelle an, die anschließend gekauft und für ein Jahr gehalten wurden. Über viele Jahre hat das äffische Portfolio den Dow Jones Index geschlagen. Magie des tierischen Instinkts oder Zufall? Adam Monk lehrt uns vor allem, hinter die offensichtliche Performance-Fassade zu blicken.

Mich laust der Markt: Aktives Investieren

Unser ahnverwandter Investor wählt einzelne Investments gezielt aus und stellt ein selektives Portfolio zusammen. Dieses Verhalten ist typisch für das so genannte Aktive Investieren. Aktive Investoren glauben daran, dass sich durch genaue Marktbeobachtung und geschicktes Investieren eine Rendite erzielen lässt, die dauerhaft höher ausfällt, als der Marktdurchschnitt. Sie investieren, um «den Markt zu schlagen» und geben sich nicht mit dem zufrieden, was die Marktentwicklung ohnehin abwirft. Ihr Investitionsalltag ist allerdings deutlich aufreibender als Adam Monks jährliches Aktienkreuzen mit anschließender Obstverköstigung: Aktive Investoren analysieren in Echtzeit Währungsentwicklungen, Unternehmenszahlen oder Markttrends und ziehen daraus Schlüsse für ihr Investment, die ebenso zeitnah umgesetzt werden. Ihre Flexibilität lässt sie auch in unerwarteten Situationen Entscheidungen treffen und im Idealfall Entwicklungen so antizipieren, dass sie von ihnen profitieren.

Keine Tierversuche: Passives Investieren

Passive Investoren verzichten auf stark selektive Portfolios der Marke Adam Monk. Sie setzen auf breit angelegte Konzepte, wie sogenannte Indexfonds. Diese bilden einen etablierten Index in ihrem Anlagemix möglichst exakt ab, beispielsweise den Swiss Market Index (SMI) oder den deutschen DAX. Ihr Portfolio setzt sich also aus den Aktien eines oder mehrerer Märkte zusammen. Ihre Rendite richtet sich stärker nach der allgemeinen Marktentwicklung, weniger nach der Performance einzelner Werte. Die Passivität beim Investieren ist nicht nur gewollt, sondern fundiert: Passive Investoren setzen darauf, dass ein effizienter Markt selbst ein Renditeoptimum herstellt. Sie folgen den groben Linien der Marktentwicklung und gehen davon aus, dass der Markt Chancen und Risiken über die Preisfindung wieder gibt. Passives Investieren führt in der Regel zu verlässlichen Renditen, jedoch kaum zum großen Wurf, zur Alpha-Rendite über die Marktentwicklung hinaus.

Affenorakel oder Investment-Kalkül: Was hinter der aktiven / passiven Performance steckt

Auch bei der Performance der Investorengattung «Homo Sapiens» trügt uns manchmal unsere oberflächliche Wahrnehmung: Fonds, die aktiv investieren, sind nicht zwangsläufig renditeträchtiger als Index-Fonds – im Gegenteil. Wenn man den Renditedurchschnitt betrachtet, sind die Unterschiede häufig marginal. Doch dieser Durchschnitt täuscht. Die Rendite für aktives Investieren fällt je nach Qualität und Fonds-Konzept sehr unterschiedlich aus – je nachdem, wie gut oder schlecht die Erfolgskriterien umgesetzt werden können. Performance ist also vor allem eine Frage des Fonds-Konzepts und der Qualität von dessen Umsetzung – nicht zwingend eine des aktiven oder passiven Investitionsverhaltens – und schon gar nicht des tierischen Orakels.

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