Wirtschaftsphilosophie: David Hume und pro-forma Track Records

Wirtschaftsphilosophie: David Hume und pro-forma Track Records 

Wenn man eine neue Investitionsstrategie vorschlägt, versucht man das Erfolgspotential auf zwei Arten zu begründen.

Man weist auf die fundamentalen Faktoren hin, welche für den Erfolg der Strategie massgeblich sein sollen: Die Erfahrung der Manager der Strategie, eine bestimmte Portfolio-Architektur, günstige wirtschaftliche oder makroökonomische Bedingungen, etc. Ausserdem wird eine numerische Simulation herangezogen, welche den Erfolg der Strategie in der Vergangenheit belegen soll. Es handelt sich dabei um sogenannte «pro-forma track records» (PFT). Damit versucht man rückwirkend das Risiko/Rendite Profil zu rekonstruieren. Man nimmt an, die neu vorgeschlagene Strategie sei in der Vergangenheit implementiert worden, so wie man es nun für die Zukunft plant. Die PFTs sind in diesem Sinne eine Art Fiktion und alle haben einen gemeinsamen Nenner: Sie zeigen immer hervorragende historische Risiko/Rendite Profile. Diese bestätigen sich aber selten, wenn die Strategie neu implementiert wird. Der Grund liegt darin, dass die Vergangenheit oftmals direkt oder indirekt bei der Definition einer Strategie eine Rolle spielt. Die Information über das Gewesene beeinflusst die Gestaltung der Strategie, die daher im Rückblick immer sehr gute Ergebnisse erzielt.

Die meisten Investoren sind sich über das verzerrte Bild bewusst, das PFTs suggerieren. Allerdings wollen sie offenbar dennoch nicht darauf verzichten. Obwohl sie wissen, dass derartige Simulationen keine zuverlässige Aussage über die künftige Entwicklung einer Strategie zulassen, wollen sie einen PFT sehen, bevor sie sich entscheiden, in eine Strategie zu investieren. PFTs als Anhaltspunkt für Investoren, welche in die ungewisse Zukunft blicken: Was in der Vergangenheit und auf dem Papier der Fall gewesen ist (gute Rendite), das so hofft man offenbar, soll sich auch in der Zukunft wiederholen.

Hier zeigt sich, wie unterschiedlich Investoren und Philosophen denken. Letztere haben sich auch mit der Frage beschäftigt, was man aus Erfahrungen für die Zukunft ableiten kann. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Induktionsproblem, das von David Hume intensiv bearbeitet wurde: Wenn man immer wieder beobachtet, dass das Ereignis B immer auf Ereignis A folgt, kann man daraus schliessen, dass das auch in der Zukunft der Fall sein wird? Wenn ja, kann man annehmen, dass A die Ursache von B ist? Hier sieht man, wie bereit ein Philosoph ist, die Grundlagen unseres Wissens in Frage zu stellen: Eine Reihenfolge, die bisher regelmässig aufgetreten ist ( «B nach A» ), bildet noch keine Grundlage, um deren Auftreten auch in der Zukunft erwarten zu können – und von einem Naturgesetz sind wir noch meilenweit entfernt. Ein Investor gibt sich im Gegensatz der Illusion hin, in einem PFT, der auf rein numerischen Berechnungen basiert, einen Beweis zu sehen, dass eine neue Strategie in der Lage ist, in Zukunft Geld zu vermehren. Der Philosoph fragt sich, ob morgen die Sonne aufgehen wird, während der Investor sicher ist, dass eine neue Strategie in Zukunft denselben Erfolg haben wird, den sie in einem Rechenbeispiel in der Vergangenheit hatte. Wäre Hume ein Finanzregulator, würde er PFTs aus jedem Vorschlag für neue Investitionsstrategien verbannen.

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