Trumpflation: Warum die Federal Reserve ihre Straffungspolitik aussetzen sollte

Trumpflation: Warum die Federal Reserve ihre Straffungspolitik aussetzen sollte 

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Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hatte eine einmalige Erhöhung der Inflationserwartungen (nicht nur) für die amerikanische Wirtschaft ausgelöst. Dieser Effekt ist heute als „Trumpflation“ bekannt. Inzwischen wurden viele Hoffnungen und Befürchtungen betreffend der Präsidentschaft von Donald Trump von der Realität eingeholt – Zeit für eine nüchterne Bilanz.

Ursachen der Trumpflation

Aus den Kursen für inflationsgekoppelte US-Staatsanleihen lassen sich die Inflationserwartungen am besten ableiten. Wie die angefügte Grafik zeigt, sprangen die Renditen mit der Wahl Trumps sofort deutlich an, um das zukünftig wahrscheinlich höhere Niveau von Inflation zu berücksichtigen. Die Hauptrolle spielten dabei die Wahlversprechen Trumps, die Steuern zu senken und die Infrastrukturinvestitionen deutlich zu erhöhen. Inzwischen kühlen sich die Erwartungen allerdings wieder ab. Wenn es so weitergeht, dann dürfte der Effekt bald schon gänzlich verpuffen.

Die Schuld liegt nicht bei Trump

Viele Analysten scheinen Präsident Trump die Schuld dafür zu geben. Das ist einerseits verständlich, weil seine wirtschaftspolitischen Versprechungen (zum Beispiel die Steuerreform und die Infrastrukturinvestitionen) schliesslich immer noch auf sich warten lassen. Dennoch ist diese Zuweisung nicht hilfreich, weil sie von den tatsächlich marktrelevanten Entscheidungen ablenkt.

Meiner Ansicht nach ist nicht das Weisse Haus, sondern die US-Notenbank Federal Reserve wesentlich für die sinkenden Inflationserwartungen verantwortlich. Im ursprünglichen Trumpflation-Szenario war nämlich implizit die Erwartung enthalten, dass die Fed das durch die versprochene Wirtschaftspolitik kreierte zusätzliche Inflationspotenzial nicht gänzlich durch Gegenmassnahmen abwürgen würde.

Aber Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen haben sich vermutlich von den kurzfristigen Marktreaktionen auf die US-Wahl zu einer tendenziell zu straffen geldpolitischen Haltung verleiten lassen. Nachdem die Fed nach ihrer ersten Zinserhöhung im Dezember 2015 ein Jahr lang zuwartete, zog sie nach Trumps Wahl gleich zweimal innerhalb von vier Monaten die Zinsschraube höher – und sie dürfte es schon im Juni mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erneut tun. Dazu kommt, dass sie gleichzeitig begann, wenn auch nur eher vage, von der Notwendigkeit einer „Bilanznormalisierung“ zu sprechen. Letztere kommt einer zusätzlichen geldpolitischen Straffung des Ausblicks gleich. Mit „Bilanznormalisierung“ ist die Reduktion der Basisgeldmenge auf frühere Niveaus gemeint.

Erwartungsmanagement durch die Fed

Wenn die geldpolitische Haltung einer Notenbank zu straff ist, dann sinken die Inflationserwartungen – und damit implizit auch die Erwartungen für das Nominalwachstum der Gesamtwirtschaft und langfristig auch das für Unternehmensgewinne. Der Markt befürchtet nun, dass die Fed ihr mittel- bis langfristiges Inflationsziel von zwei Prozent pro Jahr verfehlen könnte, wie der der vorangehende Chart eindrücklich zeigt.

Sollte die Fed in den kommenden Wochen nicht gegensteuern, dann werden die Inflationserwartungen weiter sinken, das Risiko einer grösseren Aktienmarktkorrektur wieder steigen. Glücklicherweise hat sich die Fed bisher als genug politisch flexibel erwiesen, um Kurskorrekturen vorzunehmen, bevor es zu spät ist. Meiner Meinung nach werden die Inflationserwartungen in den kommenden Wochen weiter stetig sinken. Das dürfte die Fed spätestens nach ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung Mitte Juni dazu zwingen, ihren Kurs zumindest verbal zu lockern: Sie könnte entweder von einer Zinserhöhung absehen oder zumindest eine abwartende Haltung noch stärker betonen. Und solange das mittelfristige Inflationsziel nicht erreicht und dessen Stabilität nicht nachhaltig gesichert ist, besteht auch kein Grund, über das Thema „Bilanznormalisierung“ nachzudenken.

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