«Trumpismus» ­ ­­– Der lange Schatten von Donald Trump

«Trumpismus» ­ ­­– Der lange Schatten von Donald Trump 

Donald Trumps Einfluss auf die amerikanische Politik und Gesellschaft wird auch nach seinem Abgang erheblich sein. Sein Politstil und der Slogan «America First» haben immerhin Millionen von US-Wählern überzeugt. Das Misstrauen in das Establishment bleibt zudem auch nach der Wahl Joe Bidens bestehen.

Trotz juristischer Gegenwehr dürfte Donald Trump aller Wahrscheinlichkeit nach die Präsidentschaftswahl verlieren und seinen Sitz im Weissen Haus dem neugewählten Demokraten Joe Biden überlassen müssen. Trumps Politstil, auch mit dem Schlagwort «Trumpismus» bezeichnet, dürfte aber in der amerikanischen Innenpolitik noch lange nachhallen. Die Schweizer Politologin Regula Stämpfli definiert in ihrem Buch «Trumpism» den Begriff als einen neuen Politikstil, in dem das Argument durch die Marke (Trump) ersetzt wird, der politische Gegner als Feind gilt und Auseinandersetzungen immer häufiger auf persönliche Attacken hinauslaufen, die in den Massenmedien und den Sozialen Medien ausgetragen werden.

Für die überzeugten Anhänger des Präsidenten repräsentiert «Trumpismus» aber grundsätzliche amerikanische Werte, allen voran die individuelle Freiheit. Dahinter scheint sich aber vielfach die Angst zu verstecken, mit der zunehmenden Zuwanderung Privilegien zu verlieren – das gilt vor allem für weisse, konservativ und traditionell denkende Mittelstandsamerikaner. Auf dieser Angst basiert auch Trumps Slogan «America First», der eine Abgrenzung gegen die Einwanderung und die Auslagerung von Jobs sowie einen kritischen Umgang mit Handelspartnern und internationalen Organisationen ins Zentrum stellt.

Wählerschaft ist «Trumpismus» nicht abgeneigt

Trump hat den Problemen der Basis der konservativen und rechten Wählerschaft von Anfang an mehr Aufmerksamkeit geschenkt als seine innerparteilichen Konkurrenten und lieferte im Wahlkampf 2016 den Menschen in den von hoher Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit gepeinigten Bundesstaaten im Herzen und im Süden der USA emotionale und einfache Erklärungen für ihre Notlage. Dabei förderte er bewusst die Spaltung der Gesellschaft und schreckte auch nicht davor zurück, die Nähe zu extrem rechten Gruppierungen zu suchen. Trump hat sein Gespür für diese Wählerbasis auch nach vier Jahren nicht verloren – das beweisen die diesjährigen Präsidentschaftswahlen, wo er rund 48% der Wählerstimmen sammeln konnte. Trumps Erfolg, trotz wahrscheinlicher Niederlage, dürfte auf die konservative Bewegung und die republikanische Partei eine nachhaltige Wirkung haben.

Der Erfolg von Donald Trump ist auch darin begründet, dass er sich als Antipolitiker im Kampf gegen das politische Establishment präsentiert. In den Augen vieler Amerikaner ist er sich immer treu geblieben und wird deshalb als authentisch und ehrlich wahrgenommen – trotz der offensichtlichen und unzähligen Unwahrheiten, die er von sich gab. Ein grosser Teil der Bevölkerung wird auch weiterhin der politischen Elite in Washington misstrauen – sei es den Demokraten oder den Republikanern. Joe Biden wird es als alteingesessener Politprofi schwer haben, diese Skepsis zu entkräften. Die konservative Wählerschaft dürfte zudem befürchten, dass bei einem vorzeitigen Abtreten Bidens die doch deutlich weiter linksstehende Vizepräsidentin Kamala Harris ins Oval Office kommen könnte. Für Trumps Anhängerschaft wäre das ein regelrechtes Horrorszenario.

Trump Quo Vadis­ – Comeback 2024?

Auch wenn Donald Trump noch nicht bereit scheint, das Feld zu räumen und seine Niederlage einzugestehen, so werden die vier Jahre seiner Präsidentschaft noch lange nachhallen. Der sogenannte «Trumpismus» könnte die amerikanische Politik grundlegend verändern und auch die Gesellschaft stark beeinflussen. Mit seiner kompromisslosen und rauen Art ist es Trump gelungen, eine grosse Wählerschaft anzusprechen und eine treue und schon fast hörige Gefolgschaft hinter sich zu sammeln. Auch wenn Trump die Wahlen verloren hat, könnten die mehr als 72 Millionen Amerikaner, die ihm ihre Stimme gegeben haben, die Basis für die Zukunft legen. Denn Aufgeben oder eine Niederlage einräumen, scheint für Donald Trump nie eine Option. Da in der republikanischen Partei derzeit keine andere Persönlichkeit zu finden ist, die annähernd die Aura von Trump besitzt, besteht durchaus die Möglichkeit, dass Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2024 wieder antritt – aus Sicht der Verfassung ist dieser Schritt möglich. Dann könnte er quasi persönlich Rache nehmen für seine Niederlage vier Jahre zuvor. Möglich ist aber auch, dass Trump eine neue politische Bewegung gründet und damit den «Trumpismus» bis weit über sein Dasein weiterführen könnte. Das wäre wohl nicht nur für die Demokraten ein Horrorszenario, sondern auch für die Republikaner.

Was sich heute sicherlich schon sagen lässt: Donald Trump hat den Vereinigten Staaten wie nur wenige Präsidenten vor ihm seinen persönlichen Stempel aufgedrückt. Ob der «Trumpismus» in Zukunft Bestand haben wird, hängt nun erstmal von der Performance der Demokraten in den nächsten vier Jahren ab. Verpassen sie es unter Biden, sich mit der wirtschaftlichen Notlage der Arbeiterklasse auseinanderzusetzen oder verstricken sich in innerparteiliche Grabenkämpfe mit dem linken Spektrum der Partei, so könnte das den populistisch-nationalistischen Konservatismus stärken und 2024 zu einem erneuten Machtwechsel führen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.