Überraschende Folgen

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Wie Jim O’Neill mit einem neuen Begriff die politische Entwicklung beeinflusste

Unter den derzeit fast zweihundert Staaten, die es weltweit gibt, sind die wohlsituierten Industrienationen eine vergleichsweise kleine Minderheit. Die meisten Länder der Erde haben eine schwach entwickelte Volkswirtschaft – und einen entsprechend hohen Nachholbedarf, der sie für Investoren interessant machen könnte. Doch nicht jedes Land dieser so genannten Emerging Markets hat auch das Potenzial, den Anschluss an die Weltwirtschaftselite zu finden.

2001 war Terence James „Jim“ O‘Neill Chefvolkswirt von Goldman Sachs. Zu seinen Aufgaben zählte es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und das tat er offensichtlich mit Erfolg. Er prognostizierte damals den Aufschwung von vier Volkswirtschaften: Brasilien, Russland, Indien und China, die er in seinen Publikationen fortan unter dem Kürzel BRIC zusammenfasste. Und er sagte voraus, dass diese Länder bis zum Jahr 2040 die sechs grössten Industrienationen überholt haben würden.

Das prägnante Kürzel BRICS – seit 2011 zählt offiziell auch Südafrika zu dieser Runde – wurde zum stehenden Begriff. Als erstes wurden durch O’Neills Analysen Weltkonzerne wie Ikea auf die Idee gebracht, in diese Länder zu investieren. Später sprangen auch die Banken auf.

Auslöser für die Überlegungen von Jim O’Neill waren die Anschläge auf das World Trade Center im Jahr 2001. „Ich begriff plötzlich, dass wir Globalisierung nicht länger gleichsetzen können mit Amerikanisierung, sondern auch andere grosse Länder mit völlig anderem sozialem und politischem Hintergrund miteinbeziehen müssen“, sagte er in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen.

Das liess ihn eine Gemeinsamkeit von Ländern mit völlig unterschiedlichen Systemen erkennen, die vorher nie jemand in Zusammenhang gebracht hatte: Brasilien, Russland, China und Indien sind nämlich die vier bevölkerungsreichsten Entwicklungsländer der Welt. „Ich sah, dass alle vier bereit waren, sich viel stärker in der Weltwirtschaft zu engagieren als sie das bisher getan hatten“, sagte der Brite. Er sollte Recht behalten. Und mehr als das: Mit seiner Arbeit gab er den Staaten auch den Anstoss, sich zu einer politischen Gruppierung zusammenzuschliessen. Sie tauschen sich regelmässig an jährlichen Treffen miteinander aus und denken sogar darüber nach, eine eigene Entwicklungs-Bank zu gründen.

Ein ziemlich grosser Erfolg für einen Banker, der salopp behauptete, von der Realität in diesen Ländern keine Ahnung gehabt zu haben, sondern nur die Zahlen gekannt und gewusst zu haben „wie man mit Kalkulationstabellen herumspielt“.

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Bild: By Pixabay [CC0], via Wikimedia Commons

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