Corona-Zeit erfordert Umdenken beim Spenden und Investieren

Corona-Zeit erfordert Umdenken beim Spenden und Investieren 

Die Corona-Krise hat unsere globalisierte Welt in den letzten Monaten schlagartig verändert und zwingt uns zur Einsicht: Wir können die Pandemie nur gemeinsam in den Griff bekommen. Viele Stiftungen und Philanthropen unterstützen ihre Partner oder Projekte deshalb in dieser schweren Zeit zusätzlich. Der Ausnahmezustand muss aber auch zu einem Umdenken führen, denn die Hintergründe für den COVID-19-Ausbruch sind komplex.

Die Welt ist mit einer ausserordentlichen Notlage konfrontiert. Während noch buchstäblich ums Überleben gekämpft wird, zeichnen sich bereits verheerende wirtschaftliche und persönliche Folgen ab. Wie so oft trifft auch die Corona-Krise gerade die Schwächsten am härtesten: Drohte bereits vor der Pandemie 44% der am wenigsten entwickelten Länder mit den geringsten Einkommen eine Schuldenkrise, so hat COVID-19 die Lage noch deutlich verschlimmert. Im März 2020 allein zogen Investoren rund 90 Milliarden US-Dollar an Investments aus Schwellenländern zurück. Die offizielle Entwicklungshilfe für 2021 wiederum wird aktuellen Schätzungen zufolge um 25 Milliarden US-Dollar zurückgehen. Verleiht man den abstrakten Summen Kontext, so könnte dies eine halbe Milliarde mehr Menschen in extremer Armut und über drei Millionen Todesopfer in Afrika allein bedeuten.

Umdenken bei Stiftungen und Philanthropen

Während globale Führungskräfte wie Donald Trump die Katastrophe noch weiter verschlimmern und zum wahrlich ungünstigsten Zeitpunkt die Beiträge für die WHO kündigen wollen, haben andere in dieser Situation Verantwortung ergriffen: Grossspenden in Milliardenhöhe von Unternehmen und Privathaushalten, die den weltweiten Kampf gegen Corona einer Tracking-Initiative zufolge mit mittlerweile über 12 Milliarden US-Dollar unterstützen. Die globale Philanthropielandschaft hat sich ähnlich solidarisch gezeigt.   

Auch jene Schweizer Stiftungen, deren Tagesgeschäft aus sozialen Engagements besteht, haben sich zu zusätzlichen Massnahmen und Nachsicht mit ihren Partnern während der Ausnahmesituation verpflichtet. Diese reichen von Bereitstellung von Ressourcen, Lockerungen von Vertragsbedingungen oder flexibleren Deadlines für Berichterstattung bis hin zu intensiver Zusammenarbeit mit besonders betroffenen Organisationen und Partnern. LGT Venture Philanthropy reagierte bereits im März, indem Portfolioorganisationen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Naturschutz im Hinblick auf nötige Unterstützung befragt und beurteilt wurden. Durch eine kurzerhand ins Leben gerufene Emergency Funding Facility konnten ausserdem zusätzliche finanzielle Mittel zeitnah zur Verfügung gestellt werden. Zusammen mit LGT Venture Philanthropy Teams vor Ort wurden Gelder erfolgreich weitergeleitet und wo nötig mit den Organisationen Notfallpläne koordiniert.  

Ungleichheit, Biodiversitätsverlust und Klimawandel – Umdenken ist erforderlich

Die Pandemie als isoliertes Problem zu betrachten wäre unterdessen ein Fehler. Die Wissenschaft und UNO sind sich einig, dass die alarmierende Biodiversitätskrise nicht nur den Klimawandel verschärft, sondern auch für die Verbreitung des SARS-CoV-2 mitverantwortlich ist. So kommt es zur Übertragung solcher Viren auf Menschen dadurch, dass sie zu nah und unter ungenügenden hygienischen Bedingungen mit ansteckenden Lebewesen in Kontakt sind. Würde die Gesellschaft intakte, biodiverse Ökosysteme und ihre Wildtiere respektieren, bestünde kaum Bedrohung durch derartige Infektionen. Artenverlust wiederum korreliert stark mit ökonomischer Ungleichheit. Die mittlerweile berüchtigten „Wet Markets“ in China etwa, welche mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch der COVID-19-Pandemie verantwortlich sind, stellen nicht nur eine Bedrohung für die Artenvielfalt dar, sondern haben ihren Ursprung im Bestreben, Einkommensmöglichkeiten für lokale Bevölkerungen zu bieten. Bleiben diese zusammenhängenden Grundprobleme unbehandelt, könnten sich vergleichbare Pandemien künftig häufen.

LGT Venture Philanthropy leistet mit seiner Strategie rund um den Schutz von Ökosystemen und „Natural Climate Solutions“ sowie seiner Mission zur Verbesserung der Lebensqualität benachteiligter Menschen bereits einen aktiven Beitrag im Kampf gegen diese komplex miteinander verbundenen Probleme.

Aus dieser Krise für die nächste lernen

Es bleibt die Hoffnung, dass Politik und Gesellschaft Lehren aus der Krise ziehen. Wie Ursula Finsterwald, Head Group Sustainability Management LGT, schreibt: Die Pandemie ist nur ein Probelauf dafür, wie wir eine globale Bedrohung in Angriff nehmen. Die Auswirkungen der bevorstehenden Klimakrise sehen wir zwar nicht wie bei Corona von einem Tag auf den nächsten, aber sie werden mit aller Wahrscheinlichkeit deutlich schlimmer. Staaten können den durch COVID-19 auferlegten Zwangsstillstand allerdings dazu nutzen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Somit könnte der Privatsektor die Wirtschaft nach der Pandemie im Sinne des Europäischen „Green Deal“ wieder aufbauen und damit zur langfristigen, besseren Widerstandsfähigkeit beitragen. Die Pandemie bietet bei allem Leid auch die Chance auf einen Neustart. Auch Philanthropie und Stiftungswesen müssen die Lehren aus der Krise ziehen und ihre Strategien weiterhin anpassen. Anders als im Fall von COVID-19 wird eine Impfung nämlich keinen möglichen Ausweg aus der Biodiversitäts- und Klimakrise bieten können.

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Daniela at 18:47

    Viele wahre Sätze in diesem Artikel. Dankeschön, ich habe ihn sehr genossen und meinen Horizont ein wenig erweitern können.

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