Brot, Spiele und Konkurs: Der finanzielle Untergang des Römischen Reiches

Brot, Spiele und Konkurs: Der finanzielle Untergang des Römischen Reiches 

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Die Geschichtsschreibung datiert den Untergang des Römischen Reiches meist auf das ausgehende fünfte Jahrhundert. Doch lange bevor die Barbaren aus dem Norden die römischen Stadtmauern einrannten, drohte dem Reich der Zusammenbruch – aus finanziellen Gründen.

Für Generationen von römischen Kaisern war das Münzprägen die Zauberformel für üppig wachsende Staatsfinanzen gewesen: Mit jeder Eroberung verleibte sich das Weltreich neue Rohstoffquellen ein, erschloss weitere Erzminen und prägte mit dem gewonnenen Gold und Silber neue Münzen. Mit den frischen Denaren und Sesterzen liessen sich weitere Söldner anwerben und Legionen für den nächsten Feldzug aufstellen. Doch Mitte des zweiten Jahrhunderts wurde dieser militärisch-finanzielle Wachstumszyklus unterbrochen.

Pekuniäre Überdehnung

Rom erreichte im ersten und zweiten Jahrhundert seine grösste territoriale Ausdehnung. Vom Niltal bis Britannien und von Persien bis Spanien erstreckte sich das mächtigste Imperium der Antike. Doch eben jene Grösse wurde dem Riesenreich zum Verhängnis:

Eine Zentralmacht war über die vielen tausende Kilometer spannenden Provinzen kaum mehr aufrecht zu erhalten. Mit jeder Eroberung hatte sich Rom neue Feinde gemacht und jeder Aufstand schwächte die weit verteilten römischen Legionen. Historiker sprechen von territorialer Überdehnung – doch vor allem finanzielle Gründe dürften dafür gesorgt haben, dass sich die Truppen Roms in den kommenden Jahrhunderten immer weiter zurückziehen mussten. Die Kosten der Grenzsicherung, des Aufbaus der notwendigen Infrastruktur und Verwaltung überstiegen bereits seit 50 nach Christus die Gewinne durch Eroberung bei Weitem. Gleichzeitig erschöpften sich die Minen in Reich. Auch die bislang positive Handelsbilanz der Römer kehrte sich um: Inder, Perser und selbst Germanen lieferten mehr Waren in die Provinzen des Reiches, als Rom exportierte. Die Bargeldreserven Roms trockneten langsam aber stetig aus.

Kaiser Neros Konjunkturprogramm

Kaiser Nero (37 – 68 n. Chr.) setzte auf ein einfaches, aber zunächst wirksames Konjunkturprogramm: Er garantierte den Nennwert der Denare und Quinare mit seinem kaiserlichen Konterfei, liess aber kleinere Münzen prägen, sodass trotz stagnierender Gold- und Silberreserven rund 15 Prozent mehr Münzen in Umlauf gebracht werden konnten. Gleichzeitig schränkte er den Handel mit nichtrömischen Territorien stark ein. Die kurzfristig auflodernde Binnenkonjunktur nutzte Nero zur Finanzierung seiner opulenten Ausgaben für monumentale Bauten und öffentliche Inszenierungen. Einige Jahrzehnte noch konnten sich die Bürger Roms mit Brot und Spielen darüber hinwegtäuschen, dass ihr Reich stets am Rande des finanziellen Ruins stand – von dem es sich auch unter Neros Nachfolgern nie mehr vollständig erholen sollte.

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