Urlaubsgeld: Von der Wegzehrung zum „14. Gehalt“

Urlaubsgeld: Von der Wegzehrung zum „14. Gehalt“ 

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Urlaubs-Gratifikationen erhielten manche Arbeitnehmer im deutschen Sprachraum schon im 19. Jahrhundert. Anfangs teilweise noch in Form von Naturalien, später als Sonderzahlungen. Ein Segen für den internationalen Tourismus.

Von wegen „früher war alles besser“: Als der Tourismus-Pionier Thomas Cook Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten 570 Urlauber mit auf eine Eisenbahnreise nahm, gab es nur Schinkenbrote und Tee sowie Blasmusik als Entertainment. Auch das Wort „Urlaub“ hatte früher eine ganz andere, weitaus weniger romantische Bedeutung als heute. Es leitete sich von dem mittelhochdeutschen „urloup“ ab, was soviel heißt wie „Erlaubnis“. Die damaligen Herrscher erlaubten es besonders loyalen Untertanen, für eine kurze Zeit den Hof zu verlassen.

Auch das Urlaubsgeld, auf das sich in den nächsten Wochen wieder viele freuen dürfen, war anfangs eher ein Gunsterweis. Im deutschen Sprachraum zahlten sozial eingestellte Unternehmer bereits im 19. Jahrhundert ihren fleißigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Remunerationen oder Gratifikationen, wie es damals hieß. Dabei handelte es sich um freiwillige Sonderleistungen des Chefs zu Weihnachten und in der Urlaubszeit.

Allerdings musste es sich dabei nicht unbedingt um Geldzuwendungen handeln. Anfangs beglückten die Unternehmer ihre Beschäftigten noch mit Naturalien oder Geschenken. Das konnte also durchaus nur eine Wegzehrung für die Urlaubsreise sein. Heute hat das Urlaubsgeld zwar eher den Charakter eines 14. Gehalts, doch längst nicht in allen Branchen besteht ein Anspruch auf diese Leistungen – es sei denn, das Zusatzgeld für die Sommerfrische wurde im Tarif- oder Arbeitsvertrag vereinbart.

Urlaubsgeld ist willkommen, denn für die schönste Zeit des Jahres muss man tief in die Tasche greifen. Die meisten deutschen Touristen rechnen – je nach Größe der Familie – mit einem Urlaubsbudget zwischen 2000 und 5000 Euro. Die reiselustigen Chinesen geben im Schnitt umgerechnet sogar zwischen 5000 und 10 000 Euro pro Haushalt und Reise aus. Das aus internationaler Sicht geringste Urlaubsbudget weisen Finnen, Portugiesen und Russen auf.

Insgesamt investieren die Europäer immerhin etwa 71 Prozent eines monatlichen Nettoeinkommens für die Urlaubsreise sowie Ausflüge und Shopping in den entsprechenden Zielländern. Während die Deutschen im europäischen Vergleich am Urlaubsort große Teile ihres Budgets vor allem für Essen und Trinken ausgeben, lassen Franzosen und Spanier überdurchschnittlich viel Geld in den Boutiquen und Schuhgeschäften.

Nicht zuletzt scheint die Ausgabefreudigkeit der Europäer eine Art Indikator für die konjunkturelle Situation zu sein. Und der stimmt derzeit optimistisch: Schon im vergangenen Jahr machte das durchschnittliche Urlaubsbudget der Europäer wieder rund 80 Prozent des Niveaus der Jahre vor den multiplen Finanz- und Währungskrisen aus. Lediglich die Spanier schwächeln noch etwas. Dafür profitieren die Iberer von den Urlaubsbudgets ihrer Gäste. Im vergangenen Jahr kamen immerhin über 75 Millionen Touristen ins Land und spülten rund 77,6 Milliarden Euro in die Kassen.

Leselinks:

Sommerfrische und andere Abgründe – ein kurzweiliger und lesenswerter Beitrag über die Tourismusgeschichte im Berliner Tagesspiegel

Geschichte des Tourismus: Strukturen auf dem Weg zur Moderne – ein umfassender Text über das „Weltphänomen Tourismus“ auf Europäische Geschichte Online (EGO)

Bild: CC0 Public Domain

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