Marktausblick: bei Stärke verkaufen

Marktausblick: bei Stärke verkaufen 

Im Mai hatte ich für den Sommer ein neues Hoch an den US-Börsen prognostiziert. Dieses wurde inzwischen erreicht. Für die kommenden Monate empfehle ich nun, Kurs zu halten und weiter auf eine moderate Risikoallokation zu setzen.

Doch zunächst eine rasche Rückschau: Nachdem ich die insgesamt eher freundlichen makroökonomischen Trends beschrieb, hielt ich am 2. Mai hier fest: „Angesichts dieser Entwicklungen würde es mich nicht wundern, wenn der S&P 500 im Sommer auf neue Hochstände klettern würde. Gerade Japan und Europa, die in Sachen Performance in diesem Jahr noch etwas hinterherhinken, könnten davon profitieren. Auch Anleihen und Währungen insbesondere von Schwellenmärkten dürften weiter gut laufen“.

Tatsächlich schloss der S&P 500 am 20. Juni auf einem neuen historischen Hoch (Abb. 1). Die anderen Märkte (die hellblaue Linie repräsentiert im Wesentlichen Europa und Japan) hinken den USA leider immer noch etwas hinterher, haben aber auch an der Erholung partizipiert. Immerhin konnte Europa die Schwellenmärkte deutlich überbieten.

Aktien: Entspannung im Juni mit neuem US-Hoch

Aktien: Entspannung im Juni mit neuem US-Hoch

Abb. 1 – Quelle: Alle Aktienindizes in USD; Bloomberg, LGT Capital Partners

Im festverzinslichen Bereich haben Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen alle anderen Segmente tatsächlich überbieten können (Abb. 2). Während Aktien aus Schwellenländern in Zeiten des Handelskriegs zwischen den USA und China stärkerem Gegenwind ausgesetzt sind, weil Zölle und Standortverlagerungen die Gewinne von Unternehmen belasten können, geht es den Anleihen deutlich besser. Das liegt daran, dass diese Volkswirtschaften fundamental generell gut dastehen, ihre Währungen recht günstig notieren und sie deutlich höhere Zinsen als die Industrieländer bieten.

Anleihen: Schwellenmärkte bieten Top-Renditen

Anleihen: Schwellenmärkte bieten Top-Renditen

Abb. 2 – Quelle: Alle Aktienindizes in USD; Bloomberg, LGT Capital Partners

Nächster Trading-Schritt: Gewinne mitnehmen

Jetzt, wo der S&P 500 ein neues Hoch erklommen hat, würde ich den Kursen nicht mehr nachlaufen. Stattdessen können Anleger auf aktuellen Niveaus ein Stop-Loss setzen und am nächsten starken Handelstag die Quote reduzieren. Denn der nächste unangenehme Tweet von US-Präsident Donald Trump kommt bestimmt, sei es zu China, dem Iran oder europäischen Autozöllen. Solange sich die fundamentalökonomischen Faktoren nicht verschlechtern, dürfte sich jedoch auch der nächste, von rein politischen Faktoren ausgelöste Volatilitätsausbruch aus mittelfristiger Sicht wieder als Kaufgelegenheiten anbieten.

Mittelfristige Strategie: Kontrollierte Risikofreundlichkeit beibehalten

Zusammenfassend, ein Gesamtbild:

  • Makroperspektive: Wir befinden uns im elften Jahr der Börsenhausse, daher ist grundsätzlich Umsicht angesagt. Ein ausserordentlich produktivitätsgetriebener ökonomischer Boom, etwa durch technologische Innovation wie künstliche Intelligenz ausgelöst, kann für die kommenden Jahre nicht ausgeschlossen werden. Vernünftiger ist es jedoch, von einem normalen konjunkturellen Spätzyklus mit graduell abnehmender Dynamik und nur mässigem Inflationsdruck auszugehen.
  • Aktien: Ein derartiges „soft landing“ spricht für eine moderate Aktienübergewichtung mit einer Präferenz für defensivere, qualitätsorientierte Strategien. Bei LGT Capital Partners setzen wir innerhalb unserer Aktienquote beispielsweise derzeit stark auf „Sustainable Quality“, das heisst auf ertragssichere Unternehmen mit guten Nachhaltigkeitsratings und soliden Bilanzen. Diese Strategie hat sich in der schwierigen und volatilen Börsenphase seit Beginn des Handelskriegs ausgezahlt (Abb. 3)
  • Anleihen: Der Marktwert von traditionellen Staatsanleihen mit negativen Renditen ist in den letzten Tagen auf ein Rekordhoch von rund 13 Billionen US-Dollar gewachsen und der Rest bietet nur in den USA mehr als die jährliche Inflationsrate. Staatsanleihen bleiben daher als Daueranlage wenig attraktiv. Solange der erwähnte Spätzyklus weiter freundlich verläuft, erscheint daher eine Exponierung in anderen Schuldensegmenten weiter sinnvoll, wobei wir wie eingangs bereits erwähnt ganz klar Anlagen in Schwellenmärkten bevorzugen.
  • Währungen: Ich persönlich habe derzeit keine starke Meinung. Der japanische Yen wird oft als Absicherungswährung erwähnt, ich würde davon die Finger weglassen und die Bank of Japan nicht herausfordern. Am Ende das Tages bietet unter den Hauptwährungen nur der US-Dollar einigermassen hohe Zinsen. Solange dies der Fall ist, sollte letztlich doch der USD bevorzugt werden.

Aktien: Qualität und Nachhaltigkeit bieten Überrenditen

Aktien: Qualität und Nachhaltigkeit bieten Überrenditen

Abb. 3 – Quelle: Alle Aktienindizes in USD; Bloomberg, LGT Capital Partners

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 2. Juli 2019 | marktEINBLICKE
  2. Paqué at 16:07

    Sehr geehrte Damen u. Herren,
    der Artikel hat mich angesprochen. Können Sie mir einige nachhaltige Qualitätsaktien in Ihrer Strategie nennen. Vielen Dank.
    Johannes Paqué, 2019-07-02

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