US-Geldpolitik: Die Fed liegt jetzt genau richtig

US-Geldpolitik: Die Fed liegt jetzt genau richtig 

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Mitte Dezember dürfte die US-Notenbank Federal Reserve der Mehrheit der Analysten zufolge die Leitzinsen zum fünften Mal seit Ende 2015 um weitere 0.25 Prozentpunkte erhöhen auf 1.5%. Der Spielraum für weitere Erhöhungen bleibt jedoch eingeschränkt.

Die beste geldpolitische Entscheidung der Fed des vergangenen Jahres war die Mitte Juni kommuni-zierte Zinserhöhungspause. Mit ihr begannen sich die längerfristigen Inflationserwartungen sofort in Richtung des offiziellen Inflationsziels von zwei Prozent pro Jahr zu erholen.

Vorsicht ist die Mutter der Geldpolitik

Der nachfolgende Chart illustriert, wie sensibel und stimmig die in den Marktpreisen implizierten Infla-tionserwartungen auf die geldpolitischen Schritte seit Ende 2016 reagierten (kurz nach der Wahl Do-nald Trumps zum US-Präsidenten). Damals, im Dezember 2016, hatte die Fed indirekt signalisiert, dass sie aufgrund der versprochenen Konjunkturprogramme und Steuersenkungspläne Trumps unge-fähr alle zwei Monate die Zinsen erhöhen könnte, um die zukünftige Inflation im Zaum zu halten.

Daraus wurde allerdings nichts: Obwohl die US-Konjunktur weiter rund lief und die Arbeitslosenrate stetig fiel, sank auch die Inflationsrate von Januar bis Juni von 2.5% auf 1.6%. Die für die Fed-Entscheidungsträger wichtigere (weil grundsätzlich weniger volatile) Kerninflationsrate sank sogar von knapp 1.9% auf rund 1.3%. Auch die marktbasierten Erwartungen begannen stetig zu sinken. Erwäh-nenswert ist zudem, dass Trumps vermeintlich inflationäres Konjunkturpaket noch auf sich warten lässt. Kurz: Die Fed hatte die möglichen preistreibenden Effekte überschätzt und tendenziell einen zu strengen Zinskurs signalisiert.

Federal Reserve: Leitzinsen und Inflationserwartungen

Federal Reserve: Leitzinsen und Inflationserwartungen

Kurskorrektur der Fed

Im Juni fand mit der Zinspause eine politische Kurskorrektur statt. Die Fed-Entscheidungsträger be-gannen, ihren geldpolitischen Übereifer in diversen Kommentaren einzugestehen. Der erst kürzlich zum nächsten Fed-Chef ernannte Jerome Powell gehörte sogar nur wenige Tage nach der Zinssitzung vom Juni zu den Ersten, die eine vorsichtigere Haltung kommunizierten.

Die globalen Finanzmärkte haben sich seitdem bekanntlich sehr positiv entwickelt, ebenso wie die realwirtschaftlichen Daten. Erstmals seit vielen Jahren weisen praktisch alle Volkswirtschaften reales Wachstum aus. Ob dies auch dann der Fall gewesen wäre, wenn die Fed im Juni bei ihrem ursprüng-lichen Straffungstempo geblieben wäre, darf angezweifelt werden. Noch-Fed-Chefin Janet Yellen hat schliesslich erst kürzlich öffentlich betont, dass man die konjunkturelle Gefahr, die von sinkenden bzw. chronisch schwachen Inflationserwartungen ausgeht, nicht unterschätzen darf.

Insofern ist die Nominierung Powells eine willkommene Entwicklung. Ein Fehler in der Geldpolitik ist damit weniger wahrscheinlich geworden. Zugleich dürfte die US-Konjunktur weiter auf einem moderat inflationären Wachstumskurs bleiben – und zwar weitgehend unabhängig davon, zu welchen wirt-schafts- und strukturpolitischen Massnahmen sich Washington doch noch durchringen möge.

 

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