USA: Konjunkturpaket statt Handelsabkommen

USA: Konjunkturpaket statt Handelsabkommen 

Artikel bewerten

Der Handelsstreit zwischen den USA und China bleibt ungelöst und wirft einen langen Schatten auf das globale Wachstum, die Unternehmensgewinne und damit auch auf risikoreiche Anlagen wie Aktien und Unternehmensanleihen. Doch anstelle einer Beilegung des Streits, könnte sich am Horizont bald ein Konjunkturpaket abzeichnen.

Die Anleger mögen sich inzwischen an die täglichen, oft widersprüchlichen Tweets und Schlagzeilen gewöhnt haben, doch wie viel uns der Handelsstreit tatsächlich kostet, bleibt schwierig zu erfassen. Die Schwierigkeit beginnt damit, dass nicht gewiss ist, wie lange der Handelsstreit andauern wird und – noch wichtiger – ob wir je zu einer Normalität wie vor dem Streit zurückkehren werden, die durch eine langfristige Senkung der Zölle und die Förderung des Freihandels gekennzeichnet war. Schliesslich sind Zölle eine Form der Besteuerung, und höhere Steuern schwächen die Kaufkraft der Verbraucher, das BIP-Wachstum nimmt ab.

Nächste Tarifrunde steht an

Die jüngsten US-Zölle auf Importe aus China unterscheiden sich stark von früheren Runden. Zum einen zielen sie auf eine grosse Anzahl von Konsumgütern ab, darunter Kleidung und Mobiltelefone. Diese Artikel werden jedoch erst nach dem äusserst wichtigen Weihnachtsshopping in den USA mit Strafzöllen belegt. Zwar könnte Präsident Trump seine Meinung noch ändern und die nächste Tarifrunde streichen, wir erwarten jedoch, dass sie dennoch umgesetzt wird und Trump zu anderen Mitteln greift, um seine Popularität zu stärken.

Dies liegt vor allem daran, dass Trump als Präsident nach wie vor beliebt ist, seine Popularität jedoch strikt nach Parteigrenzen geteilt ist: Die Republikaner befürworten seine Politik und denken, dass es der Wirtschaft gut geht. Die Demokraten empfinden eher das Gegenteil, auch wenn die US-Arbeitslosigkeit mit 3.6 Prozent sehr niedrig ist, die Aktienmärkte in diesem Jahr robust waren und die Immobilienpreise stabil blieben. Unabhängige Wähler, die keiner der beiden grossen US-Parteien angehören, scheinen die ganze Sache sehr neutral zu betrachten. Diese für sich zu gewinnen, wird wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe im Wahlkampfjahr 2020.

Auf Wählerfang

Wie können diese unabhängigen Wähler davon überzeugt werden, für Präsident Trump zu stimmen? Wir vermuten, dass das Weisse Haus wahrscheinlich im ersten Quartal 2020 ein weiteres Konjunkturpaket ankündigen wird. Gerade rechtzeitig, um der US-Wirtschaft vor den Wahlen im November 2020 einen Schub zu geben.

Damit diese Massnahmen Wirkung zeigen, wird Trump aber die Unterstützung des Repräsentantenhauses benötigen, das von den Demokraten dominiert wird. Es stellt sich daher die Frage, ob die Demokraten, diese Massnahmen nicht ablehnen werden. Aus unserer Sicht würden die Demokraten den Republikanern zu grosse Angriffsfläche bieten, wenn sie dem „Mini-Stimulus“ nicht zustimmen. Die Republikaner könnten ihnen vorwerfen, dass ihnen ihre Parteizugehörigkeit wichtiger ist, als das Wirtschaftswachstum. Solche Vorwürfe wären für die Demokraten mitten im Wahlkampf sehr riskant. Wir glauben daher, dass sie den Plänen der Republikaner widerwillig zustimmen werden.

Stimulus ist kein Ersatz für ein Handelsabkommen

Aber kann sich die US-Regierung höhere Ausgaben überhaupt leisten, denn das Staatsdefizit und die -verschuldung sind bereits deutlich gestiegen? Kurz gesagt, ja. In der folgenden Grafik können wir erkennen, dass die US-Haushalte und Finanzinstitute ihre Schulden abgebaut haben, während die Staatsverschuldung seit dem Ende der globalen Finanzkrise um rund 20 Prozent des BIP gestiegen ist.

Mit den sinkenden Zinsen fallen auch die Fremdkapitalkosten der US-Regierung. Darüber hinaus haben amerikanische Staatsanleihen nach wie vor eine positive Rendite. In einer Welt, in der negativ verzinsliche Staatsanleihen zur Norm werden, finden sich für US-Staatsanleihen immer Käufer.

Ein kleiner Stimulus kann aus unserer Sicht die Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China allerdings nicht ersetzen. Auch wenn die Anleger möglichweise bis nach den Wahlen 2020 warten müssen, bis sich die Lage entspannt und die Strafzölle zurückgenommen werden. Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass sich die USA und China den Handelsstreit 2019 beenden. Ein kleines US-Konjunkturpaket im 2020 scheint derzeit aber eine viel sicherere Wette zu sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.