Value Investing als Anlagestil

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Wertorientierte Anleger versuchen, unterbewertete Aktien zu identifizieren und gewinnbringend in diese zu investieren.

Jeder Anleger weiss, dass Aktienkurse im Zeitverlauf beträchtlich schwanken. Erfolgreich in Aktien zu investieren, scheint deshalb ganz einfach: Man kauft, wenn eine Aktie billig ist, und verkauft diese wieder, wenn sie im Preis gestiegen ist. Das Problem dabei: Wann ist eine Aktie billig – und wann ist sie teuer? Kann man das überhaupt herausfinden?

Anhänger der modernen Portfoliotheorie sind der Meinung, das sei nicht möglich. Für sie gibt es kein billig oder teuer. Sie glauben, dass die Aktienmärkte vollständig effizient sind, und deshalb jede Aktie zu jedem Zeitpunkt korrekt bewertet ist. Folglich können zukünftige Preisbewegungen auch nicht prognostiziert werden. Ganz anders die Anhänger des sogenannten Value Investing. Sie verwerfen die Hypothese der Markteffizienz und sind überzeugt, dass jede Aktie einen richtigen, sogenannten intrinsischen oder fairen Wert hat. Weil die Märkte aber ineffizient und von Emotionen getrieben sind, kann der Börsenkurs temporär von diesem Wert abweichen. Wenn der aktuelle Börsenkurs substanziell unter dem fairen Wert liegt, dann lohnt es sich, die unterbewertete Aktie zu kaufen und darauf zu warten, dass der Kurs früher oder später auf den richtigen Wert ansteigt. Umgekehrt sollte man sich von einer Aktie trennen, wenn der aktuelle Börsenkurs über dem fairen Wert liegt. Um diesen zu berechnen, stützen sich Value-Investoren auf die Fundamentalanalyse und schauen dabei auf Kennzahlen wie beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis, die Dividendenrendite oder das Gewinnwachstum eines Unternehmens, aber auch auf qualitative Faktoren, beispielsweise die Qualität des Managements.

Grosses Vorbild vieler Value-Investoren ist der legendäre Warren Buffet, dessen Anlageerfolge die Effizienzhypothese zu widerlegen scheinen. Seine Anlagestrategie basiert darauf, gezielt in unterbewertete Aktien zu investieren. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway erzielt er für die Aktionäre regelmässig überdurchschnittliche Renditen – und das seit mittlerweile über 50 Jahren!

Die Erfindung des Value Investing geht aber noch weiter zurück: Als dessen Vater gilt der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Investor Benjamin Graham, dessen Vorlesungen auch von Warren Buffet besucht wurden. 1934 veröffentlichte Graham gemeinsam mit seinem Kollegen David Dodd das Buch Security Analysis, bis heute die Bibel der wertorientierten Anleger, und 1949 den Bestseller The Intelligent Investor, eine etwas vereinfachte Version, die mehrmals neu aufgelegt wurde, zuletzt im Jahr 2003.

Der Glaubenskampf zwischen Value-Investoren und Anhängern der Effizienzmarkthypothese hält bis heute an: Wer an effiziente Märkte glaubt, investiert tendenziell in Indexfonds, die bestenfalls eine durchschnittliche Rendite erzielen. Wer hingegen überzeugt ist, dass man an den Börsen von temporären Fehlbewertungen profitieren kann, sollte sich den besten Anlagemanager für sein Vermögen suchen.

Leselink

Umfangreiche Informationen zum Thema Value Investing finden Sie auf www.valueinvesting.de

„Der Mann im Hintergrund“: Karl-Heinz Thielmann stellt im Blick Log Charles Thomas Manger, Vice-Chairman von Berkshire Hathaway, vor.

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