Weshalb der Taler zum Champagner-Geld wurde

Weshalb der Taler zum Champagner-Geld wurde 

Der doppelte Vereinstaler sollte Mitte des 19. Jahrhunderts den überregionalen Handel in Schwung bringen. Bekannt wurde er allerdings als „Champagnertaler“.

Alles Käse? Von wegen. Der Cheeseburger ist nicht nur ein kalorienreiches Produkt aus der Fastfood-Küche, sondern seit vielen Jahren auch ein Indikator für die Kaufkraft von Währungen. In den 1980er Jahren hat das britische Wirtschaftsmagazin The Economist hierzu den Big Mac-Index entwickelt. Seither wissen wir zum Beispiel, dass der Cheeseburger einer bekannten Fastfood-Kette in der Schweiz vergleichsweise teuer und in der Ukraine vergleichsweise billig ist.

Die Offiziere und die Champagner-Münze

Im 19. Jahrhundert jedoch ging es zeitweise erheblich stilvoller zu. Um die Kaufkraft des zwischen 1838 und 1871 geprägten doppelten Vereinstalers zu verdeutlichen, setzte man ihn in Relation zu edlem Champagner. Angeblich bekam man damals für eine solche Silbermünze eine Flasche des Nobel-Schaumweins aus Frankreich. Und da sich nicht zuletzt die Offiziere an diesem edlen Getränk delektierten, kamen die Herren in Uniform auf die Idee, den doppelten Vereinstaler fortan „Champagnertaler“ zu nennen.


Preussischer Vereinstaler Wilhelm I.

In der Bevölkerung freilich war diese Münze ziemlich unbeliebt, und zwar nicht allein, weil sich nur sehr wenige Zeitgenossen Champagner leisten konnten. Auch das hohe Gewicht der Münze (37.1 Gramm, davon 33.4 Gramm Silber) sowie der stattliche Durchmesser von 41 Millimetern wurden als störend empfunden.

Champagner-Münze belebte den Handel

Dabei waren die Vereinstaler als gemeinsame Silbermünzen der Mitgliedstaaten des deutschen Zollvereins (daher der Name „Vereins“taler) auch im übertragenen Sinne eine Art Champagner-Währung. Sie sollten den überregionalen Handel vereinfachen und somit den Wohlstand mehren. Der Champagnertaler war die erste deutsche Einheitswährung. Vorbei waren damit die Zeiten, als man in Norddeutschland mit Talern und im Süden mit Gulden bezahlte.

Davon profitierten Regionen mit starkem „Außenhandel“. Dazu zählte zum Beispiel die Freie Stadt Frankfurt, für die der innerdeutsche Handel sehr wichtig war. Und nicht nur der: Die Stadt am Main hatte schon 187 Jahre vor dem geplanten Brexit einen Freihandels- und Schifffahrtsvertrag mit England geschlossen.

Wie der Champagnertaler zur Mark wurde

Da der Vereinstaler auch unter seinem Kosenamen Champagnertaler bei der Bevölkerung nicht beliebter wurde, prägten die beteiligten Länder ab 1857 immer weniger Exemplare, bis schliesslich die Mark an seine Stelle trat. Das Münzgesetz von 1873 wies dem Champagnertaler einen Wert von drei Mark zu. Ob man dafür auch eine Flasche Champagner bekam und gegebenenfalls welche Marke, ist nicht überliefert. Für den numismatischen Wert des Champagnertalers bekommt man heute jedenfalls schon mehrere Flaschen des perlenden Getränks.

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