Vermögenspreisinflation – Déjà vu der Finanzkrise? 

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In einem Research-Paper der Deutschen Bank mit dem Titel «Globale Liquiditätsschwemme und Vermögenspreisinflation» heisst es: «Infolge der sehr expansiven Geldpolitik der USA, Eurolands und Japans (… ) ist die weltweite Geldmenge mit rasantem Tempo gewachsen.» Da dies nicht zu steigenden Verbraucherpreisen geführt hat, deutet vieles darauf hin, dass «die Liquidität zumindest teilweise zur Rallye an den Aktien- und Anleihemärkten beigetragen» hat.

Ähnliche Aussagen konnte man zuletzt an vielen Orten lesen, trotzdem kommt der hier zitierten Studie ein beunruhigender Aspekt zu. Denn sie stammt vom Juli 2007, also unmittelbar vor dem Beginn der Subprime- und später Finanzkrise. Als Reaktion auf die Finanzkrise setzt die aktuelle Geldpolitik ein weiteres Mal die Mittel ein, die sie bereits nach dem Platzen der Dotcom-Blase angewandt hat – einzig vielleicht mit dem Unterschied, dass das Ausmass des Liquiditätsversorgung dieses Mal um einiges grösser ist. Sollte Karl Marx recht haben mit seiner Aussage, dass sich alle grossen weltgeschichtlichen Tatsachen zweimal ereignen, «das eine Mal als Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce», dann stellt sich die Frage, ob wir geradewegs auf die Wiederholung der Krise als Farce zusteuern.

Denn haben die Notenbanker dazugelernt, wenn sie weiter die Geldschleusen öffnen, obwohl genau diese Politik schon einmal zu einer Blasenbildung mindestens an den Immobilienmärkten verschiedener Länder geführt hat? Reicht allein der Hinweis auf eine stabile Verbraucherpreis-Inflation aus, um Bedenken gegen die Nebenwirkungen einer solchen Politik zu zerstreuen? Ist die Verbraucherpreis-Inflation das geeignete Mass, um die Auswirkungen der aktuellen Notenbankpolitik angemessen einzuschätzen?

Im Euroraum ist die Geldmenge M3 seit 2001 doppelt so schnell gewachsen wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wenn sich die auf diese Weise entstehende Liquidität nicht in steigenden Güterpreisen äussert, wo fliesst sie dann hin? Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sagte dazu in einem Interview: «Liquidität findet immer einen Weg, entweder steigen die Verbraucherpreise – oder die Vermögenspreise»

Statt Verbraucherpreisinflation entsteht Vermögenspreisinflation.

Der ehemalige Präsident der amerikanischen Notenbank (Fed), Alan Greenspan, sagte selbst, dass die Immobilienblase in den USA das Resultat einer übermässigen Vermögenspreisinflation war. Die Frage ist, ob wir derzeit das Entstehen neuer Preisblasen beobachten können. Wenn die Niedrigzinspolitik vor der Finanzkrise geholfen hat, die Anleihe- und Aktienpreise zu neuen Höchstständen zu treiben, darf man unterstellen, dass eine noch viel expansivere Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken in den Jahren seit 2008 ähnliche Effekte auf die Vermögenspreise hat.

Wie die Finanzmärkte reagieren, sobald nur die Möglichkeit einer weniger expansiven Liquiditätsversorgung in Sichtweite scheint, liess sich nach der Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls des Federal Open Market Committees vom Januar beobachten. Hier wurde die Besorgnis einiger Mitglieder hinsichtlich Wirksamkeit und Gefahren der Anleihekäufe durch die Fed dokumentiert, und der S&P 500 verlor an den beiden darauffolgenden Tagen rund zwei Prozent an Wert.

Als der aktuelle Präsident der Fed, Ben Bernanke, im Rahmen seiner regelmässigen Anhörungen vor dem amerikanischen Kongress zu den Gefahren der Bond-Kaufprogramme durch die Fed gefragt wurde, nannte er zuallererst die Gefahr steigender Inflationserwartungen. Denn dies setzt die Preise insbesondere langlaufender Anleihen unter Druck und erhöht die Zinskosten für Schuldner.

Solange dies in einem moderaten Rahmen geschieht, wird es dem Wunschszenario der Notenbanken für einen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik entsprechen. Sollten die Inflationserwartungen jedoch schnell steigen, etwa aufgrund einer anspringenden Konjunktur, werden die Notenbanken gezwungen sein, die Zinsen schneller zu erhöhen. Dies wird sich nicht nur negativ auf die Aktienmärkte auswirken. Ähnlich wie 2008 an den Immobilienmärkten werden steigende Zinsen auch endgültig die Frage beantworten, ob an den wichtigsten globalen Anleihemärkten in den vergangenen Jahren Preisblasen entstanden sind.

Welche Mittel werden die Notenbanken bereithalten, sollten sie platzen?

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 17. April 2013 | Die Börsenblogger

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