Die Roboter und Avatare kommen

Die Roboter und Avatare kommen 

Artikel bewerten

Sie heissen RAIffi, Cora und Daniel Kalt, die Robo-Helferchen und virtuellen Berater der Banken. Zwei von ihnen haben den Sprung in die Filialen und Besprechungszimmer schon geschafft. Ob sie sich dort auch halten, das ist für einmal nicht mehr nur von der Bankenbranche abhängig.

Wer die Raiffeisenfiliale in St.Gallen besucht, wird seit April von RAIffi begrüsst, einem ein 1.20 Meter grossen Roboter. Charmant verkürzt RAIffi die Wartezeit der Besucher, indem er ihnen zum Beispiel Witze erzählt oder Fragen rund um die Raiffeisen beantwortet. Der kleine, stets gut gelaunte Concierge am Raiffeisen-Hauptsitz ist aber längst nicht mehr der einzige Roboter in der Kundenbetreuung der Banken. So kündigte NatWest, eine britische Retail- und Geschäftsbank, im Februar an, dass die virtuelle Kundenberaterin Cora bald erster Ansprechpartner für Fragen rund ums Banking sein soll. Cora wird über die Webseite verfügbar sein und – künstlicher Intelligenz sei Dank – immer mehr Fragen der Kunden beantworten können. Das besondere an Cora: Sie ist kein rein textbasierter Chatbot, wie wir ihn heute kennen. Cora kommt als Avatar daher und sieht einem Menschen verblüffend ähnlich. Man kann sich mit ihr quasi von Angesicht zu Angesicht via Screen unterhalten.

Solch einen menschenähnlichen Avatar setzt seit neuestem auch die UBS ein. Der Avatar von Chefökonom Daniel Kalt wird in einer Testphase mit seinem Fachwissen Rede und Antwort stehen – und das im Beratungsgespräch mit sehr vermögenden Kunden. Während RAIffi und Cora die Retailkunden betreuen, trifft der UBS-Avatar auf eine was Roboter anbelangt äussert skeptische Zielgruppe, wie der LGT Private Banking Report erst kürzlich zeigte. Ob der virtuelle Chefökonom und Cora bei den Kunden gut ankommen werden, ist mitunter Psychologiesache – wie wir aus der Filmindustrie wissen.

Vom Kino ins Kundengespräch

UBS und NatWest haben sich für ihre Avatare Unterstützung aus der Filmindustrie geholt. So haben keine Geringeren als die Macher von King Kong und die von Herr der Ringe an den virtuellen Bankberatern gebastelt. In der Filmindustrie sind Avatare längst gang und gäbe, und doch ist es den Filmemachern noch nicht gelungen, den perfekten, digitalen Menschen zu schaffen. Denn das ist eine Herausforderung, wie Pascal Berard, Doktorand an der ETH Zürich, letzten November in einem inspirierenden TEDxTalk in Zürich zeigte (siehe Video unten). Er veranschaulichte eindrücklich, wie nahe die Filmindustrie an diesem perfekten digitalen Menschen dran ist, aber dass eben noch das gewisse Etwas fehlt.

Gefühle zeigen

Die Schwierigkeit bei Robotern und Avataren liegt darin, das sogenannte Uncanny Valley – die Akzeptanzlücke – zu überwinden. Denn die Akzeptanz eines Betrachters gegenüber künstlichen Figuren wie Roboter oder Avatare steigt nicht wie erwartet linear, je menschenähnlicher und fotorealistischer die Figuren werden. Kurioserweise erleidet die Akzeptanz innerhalb einer bestimmten Spanne einen starken Einbruch. Diese Phase – das Uncanny Valley – zu überwinden, haben die Filmemacher schon fast geschafft. Die letzte und grösste Herausforderung liegt gemäss Berard nun darin, das perfekte digitale Auge zu schaffen – das auch im digitalen Bereich das Tor zur Seele des Menschen bleibt. Über die Augen werden Gefühle ausgedrückt und Charaktere geformt. Die Augen eines Avatars tragen somit massgeblich zur Akzeptanz des Betrachters bei.

Bald werden die Bankkunden den Robotern und Avataren also tief in die Augen schauen und sich entscheiden müssen, ob sie ihnen ihr Vertrauen schenken möchten. Die Theorie lässt jedoch vermuten, dass der witzelnde RAIffi, der humanoide Roboter, den Menschen mitunter noch eine Weile sympathischer bleibt als Daniel Kalt, der besonders menschenähnliche Avatar der UBS.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 9. Juli 2018 | marktEINBLICKE
  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 9. Juli 2018 – Firmenweb | Business News im Minutentakt

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.