Vollgeld als Damm gegen die Flut künftiger Finanzkrisen?

Vollgeld als Damm gegen die Flut künftiger Finanzkrisen? 

Die Nationalbank hat das Notenmonopol, doch auch Geschäftsbanken schöpfen Geld. Das «Vollgeld»-Konzept will dem einen Riegel schieben.

Es war ein ganz besonderes Gesetz, das die Schweizerische Bundesversammlung am 6. Oktober 1905 beschloss:

«Art. 1: Der Bund überträgt das ausschliessliche Recht zur Ausgabe von Banknoten einer nach den Vorschriften dieses Gesetzes unter dem Namen ‚Schweizerische Nationalbank‘ zu errichtenden, mit dem Rechte einer juristischen Person versehenen, zentralen Notenbank.»

Mit der Gründung der Nationalbank, wurde das bis dahin durch 36 sogenannte «Zeddelbanken» wahrgenommene Recht, Notengeld zu drucken und auszugeben, in einem einzigen Institut zentralisiert.

Seit 1905 darf allein die Nationalbank Geld, in Form von Noten oder Münzen, in Umlauf bringen. Doch sie ist nicht die einzige Bank, die neues Geld schöpft. Denn Geschäftsbanken vermehren die Geldmenge, indem sie Kredite vergeben, denen weder Spareinlagen noch Notenbankgeld gegenüberstehen. Die Menge dieses sogenannten Buchgeldes macht heute einen Grossteil der gesamten Geldmenge aus. Im Klartext: Trotz der gesetzlichen Aufgabe der Nationalbank, die Geldmenge zu steuern, hat sie keine direkte Kontrolle darüber; die privaten Banken vergrössern die Geldmenge selbständig.

Die Wertschöpfung durch die Schweizer Wirtschaft, das Bruttoinlandprodukt, stieg vom Jahr 1990 bis ins Jahr 2012 um 75 Prozent. Im selben Zeitraum wuchs die Geldmenge M3 um 134 Prozent. In diesem überproportionalen Geldmengenwachstum sehen Kritiker wie der «Verein Monetäre Modernisierung» («MoMo») eine beträchtliche Gefahr: Geld werde buchstäblich aus dem Nichts erschaffen, und das Eigeninteresse privater Banken führe zu spekulativen Blasen, die wiederum in ausgewachsene Finanzkrisen mündeten. Mit einer Volksinitiative, der sogenannten «Vollgeld-Initiative», soll den Geschäftsbanken verboten werden, durch Kreditvergabe und unabhängig von der Nationalbank Geld zu schöpfen. In den Umlauf gelangen soll ausschliesslich voll gedecktes Geld, sogenanntes «Vollgeld».

Gegen die Volksinitiative stemmen sich die Geschäftsbanken: Ein Vollgeldsystem wäre ein radikaler Umbau, dessen Risiken nicht kalkulierbar seien. Das heutige Finanzsystem habe sich grundsätzlich bewährt: Die Inflation tendiere gegen Null, die Kreditversorgung sei ausreichend, das Wirtschaftswachstum stabil. Private Banken könnten den lokalen Kreditbedarf besser abschätzen als eine einzige, zentrale Institution. Ein Vollgeldsystem hätte eine Kreditklemme zur Folge, die wiederum die Nationalbank grossem politischem Druck aussetzen würde.

Im Gegensatz zum Buchgeld ist das Notenmonopol der Nationalbank, 109 Jahre nach seiner Durchsetzung, unbestritten. Andere Bestimmungen von 1905 dagegen hatten weniger lange Bestand: «Art. 19: Die Noten werden in Abschnitten von 50, 100, 500 und 1000 Fr. ausgegeben. Der Bundesrat kann in ausserordentlichen Fällen die Ausgabe von Banknoten in Abschnitten von 20 Franken vorübergehend bewilligen.» Entgegen dieser Bestimmung ist die 20-Frankennote mittlerweile die zweithäufigste Note in der Schweiz.

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