Vom Brotpfennig bis zum Geldbrot

Vom Brotpfennig bis zum Geldbrot 

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Von Geld allein wird man nicht satt. Man muss sich davon auch Essbares kaufen können. So wie im 18. Jahrhundert mit dem Kölner Brotpfennig.

Diese Pose gehört zu den Olympischen Spielen wie das Siegertreppchen und die Nationalhymnen für die strahlenden Sportler: Die erfolgreichen Athleten klemmen vor laufenden Kameras ihre Goldmedaillen zwischen die Zähne. Das mag im ersten Moment wie ein Stresstest für die Arbeit der Dentisten anmuten, soll aber früher dazu gedient haben, die Echtheit des Goldstücks zu prüfen. Bleibt ein Zahnabdruck auf der Münze oder Medaille zurück, so handelt es sich angeblich um echtes Gold. Doch das ist – so leid es uns tut – ziemlicher Unsinn. Die Beißerchen hinterließen allenfalls dann Spuren, wenn es sich um reines – und somit weiches – Gold handelte. Doch die Goldmedaillen, die bei den Olympischen Spielen verliehen werden, bestehen zu 92.5 Prozent aus Silber.

Manche interpretieren die Pose mit dem Goldstück zwischen den Zähnen aber ganz anders: Es gebe eben viele Zeitgenossen, die Gold einfach „zum Fressen“ gern hätten. Doch auch das ist allenfalls im übertragenen Sinne akzeptabel. Denn Gold kann man in geringen Mengen zwar trinken (etwa in Form des Gewürzlikörs Danziger Goldwasser), aber man wird nicht satt davon. Das musste bereits der sagenhafte König Midas erfahren, der zu verhungern drohte, weil ihm alles, was er berührte, zu Gold wurde.

Brotpfennig – heute ein Sammlerstück

Wenn es galt, den Hunger der Menschen zu stillen, kamen in der Geschichte ganz andere Metallmünzen zum Einsatz: Im Großraum Köln zum Beispiel war es im Jahr 1739 zu einer verheerenden Missernte gekommen. Brot wurde dadurch unerschwinglich, und die Herrschenden befürchteten offenkundig einen Aufstand ihrer hungernden Bevölkerung. Um das zu verhindern, erhielten bedürftige Bürger ihr Brot zu einem subventionierten Preis von acht Stübern. Damit sich aber nicht das eine oder andere Schlitzohr mit mehreren Laiben Brot eindeckte, wurde der Kölner Brotpfennig ausgegeben. Das subventionierte Brot bekam man nur gegen einen Brotpfennig. Der Bäcker wiederum brachte die gesammelten Brotpfennige zum Amt und erhielt die Differenz zwischen dem Marktpreis des Brotes und dem subventionierten Preis erstattet. Der Brotpfennig aus Kupfer ist bei Numismatikern längst ein begehrtes Sammlerstück.

Geldbrot: Die originelle Art, Geld zu verschenken

Als Glückssymbole gelten Münzen heute, wenn sie in Brot eingebacken und zum Geburtstag oder zur Hochzeit verschenkt werden. Die Geldscheine werden hierzu einzeln mit Alufolie umwickelt und im Teig versteckt. Danach das Geldbrot zunächst zehn Minuten bei 230 Grad backen lassen, anschließend noch einmal rund fünfzig Minuten bei 180 Grad – eine originelle Art, Geld zu verschenken.

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