Von der Geldillusion zur Anlageillusion?

Von der Geldillusion zur Anlageillusion? 

Artikel bewerten

Zugegeben: eine Geldnote ist nichts anderes als farbig bedrucktes Papier. Vor dem 20. Jahrhundert wurde das Geld noch mit Goldreserven besichert, heutzutage beruht der Wert des Geldes auf einem gesellschaftlichen Versprechen. Der Wert einer Geldnote richtet sich für uns nach dem Gegenwert der Waren oder Dienstleistungen, welche wir dafür eintauschen können, also dem Wert, den die Mehrheit der Benutzer sich davon verspricht.

Steigende Preise führen grundsätzlich dazu, dass ich für gleiches Geld immer weniger Waren oder Dienstleistungen erhalte. Anders formuliert: Für die gleiche Anzahl Waren oder Dienstleistungen muss ich mehr bezahlen. Die Inflation lässt meine Kaufkraft schwinden. Damit die Inflation nicht aus dem Ruder gerät und das Vertrauen in eine Währung erhalten bleibt, werden von den Zentralbanken Zielinflationsraten festgelegt. Diese Zielinflation liegt in unseren Breitengraden leicht unter 2 Prozent pro Jahr.

Die Geldillusion: Patin der Anlageillusion?

Die breite Bevölkerung der Industriestaaten ist sich des schleichenden Verlusts ihrer Kaufkraft durch eine anhaltende Teuerung oft nicht bewusst und würde z.B. generell eine Lohnerhöhung einer Lohnsenkung vorziehen. Blendet man die Inflationsrate aus, ist das absolut nachvollziehbar. Verbinden wir nun die beiden Szenarien mit unterschiedlichen Inflationsraten.

Was würden Sie bevorzugen?
A) Eine Lohnerhöhung von 10 Prozent bei einer Inflation von 15 Prozent oder
B) eine Lohnsenkung von 1 Prozent bei einer Teuerung von 2 Prozent

Unter Berücksichtigung der Inflation wäre der Kaufkraftverlust bei der Lohnsenkung geringer. Ihr Geld wäre weniger, aber mehr wert – weniger ist mehr. Doch der reale Gewinn eines solchen Szenarios scheint für viele weniger attraktiv zu sein, als der scheinbar höhere Gewinn durch den üppigen Lohnzuwachs bei höherer Inflation. Dieses Phänomen nennt man Geldillusion.

Auch Anleger sollten sich Gedanken zur Inflation machen. Insbesondere bei gewöhnlichen, nominalen Anleihen mit einer fixen Laufzeit und einer stetigen Coupon-Zahlung ist eine Berücksichtigung nicht nur der aktuellen, sondern auch der erwarteten Inflation unabdingbar. Zum Zeitpunkt der Emission werden die einzelnen Parameter fixiert, über die Laufzeit findet keine Anpassung an die Inflation mehr statt. Für viele Anlagen bedeutet dies: Den Gewinnen auf dem Papier stehen reale Kaufkraftverluste gegenüber, die den «Papiergewinn» schmälern oder sogar in einen realen Verlust verwandeln können. Auch Anlagevermögen kann also zu einer Illusion werden, die uns über unsere tatsächliche Vermögenssituation hinweg täuscht.

Eine Lösung können inflationsgeschützte Anleihen darstellen. Sie garantieren eine stetige reale Verzinsung über die Laufzeit unter Berücksichtigung der sich ändernden Inflation.

Die Stellschrauben inflationsgeschützter Anleihen

Ob und wann eine nominale oder eine inflationsgeschützte Anleihe zu bevorzugen ist, hängt primär von den Realzinsen sowie den Inflationserwartungen ab. Während der Wert nominaler Anleihen durch beide Parameter während der Laufzeit beeinflusst wird, führt bei inflationsgeschützten Anleihen – wie der Name bereits suggeriert – nur der Realzins zu Veränderungen. Für Renditedifferenzen zwischen den beiden Anleiheklassen sind daher nur Änderungen der Inflationserwartungen ausschlaggebend.

Die Teuerung muss auch mein Portfolio erst verdienen, bevor eine reale Rendite erzielt werden kann. Inflationsgeschützte Anleihen bringen diese Eigenschaft bereits mit sich. Dennoch wird diese Anlageklasse zur Zeit von vielen Investoren nur wenig berücksichtigt. Aus einer Retroperspektive ist verständlich, dass Inflationsängste durch die stark gesunkenen Rohstoffpreise und das moderate Wirtschaftswachstum in den Hintergrund getreten sind. Folgendes sollte man dabei bedenken: Je tiefer die Inflationserwartungen, desto günstiger sind die Kosten der Inflationsversicherung bei inflationsgeschützten Anleihen und desto höher fällt die Überrendite gegenüber nominalen Anleihen aus, sollte die Inflation über die erwartete Rate hinaus ansteigen.

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 9. Oktober 2015 | Die Börsenblogger
  2. Slavisa at 23:46

    Erinnert so ein wenig an Vorlesungssaal. Geld ist eine Illusion, ein Spiel für Narren. Das Finanzsystem wird spätestens bis 2018 kollabieren. TIPs bewegen sich im System. Diamanten nicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.