Von Seidenschuhen und Tigerzungen

Von Seidenschuhen und Tigerzungen 

Ganz gleich, ob Banknoten oder Kauri-Schneckengehäuse: Erst das Vertrauen in ein Zahlungsmittel macht einen Gegenstand zu Geld. Schon immer galt: „Geld ist, was gilt“.

Von wegen „für die Füße“: Vor gut einem Jahr versteigerte das Auktionshaus Sotheby’s ein Paar Sportschuhe der Kultmarke Nike, Modell „Moon Shoes“. Experten hatten mit einem Zuschlagspreis von maximal 160.000 Dollar gerechnet. Doch der Hammer des Auktionators fiel erst bei sage und schreibe 437.000 Dollar, das entsprach vor einem Jahr rund 390.000 Euro.

Silberbarren in Form von Damenschuhen

Damit sind diese Sneakers wohl die teuersten Schuhe der Welt. Weitaus mehr wert als das legendäre Seidenschuhgeld aus China. Dieses trug man damals allerdings auch nicht an den Füßen, vielmehr diente es dem Einkauf; es zählte somit zu den vormünzlichen Zahlungs- und Tauschmitteln. Seidenschuhgeld war bereits 206 v. Chr. bekannt und wurde aus reinem Silber gegossen. Man könnte also auch ganz prosaisch von Silberbarren sprechen. Doch ähnelte die Form dieses außergewöhnlichen Zahlungsmittels den teuren Seidenschuhen, die gesellschaftlich hochgestellte chinesische Damen seinerzeit an ihren zierlichen Füßen trugen. Und so hielt sich nicht nur unter Numismatikern bis heute die Bezeichnung Seidenschuhgeld.

Vormünzliche Zahlungsmittel wurden früher auch als „Primitivgeld“ bezeichnet. Ein Begriff, den man wegen seiner diskriminierenden Konnotation heute weitgehend meidet. Es handelt sich eher um „Do-it-yourself-Money“ aus Zeiten, in denen es keine Notenbanken gab. Die Palette dieser Zahlungsmittel nimmt sich ebenso vielfältig wie skurril aus.

Kauri-Geld auf Globalisierungskurs

Am bekanntesten dürfte das Kauri-Geld sein, bestehend aus den Gehäusen der tropischen Kauri-Meeresschnecken. In China sollen Kauri-Schneckengehäuse bereits im 2. Jahrtausend vor Christus nachgewiesen worden sein. Später entwickelten sich die Kauris fast schon zu einer Art Weltwährung. Sie waren nicht nur in weiten Teilen Asiens, sondern auch in Afrika verbreitet (dort übrigens teilweise bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts). Marco Polo berichtete fasziniert von diesem Zahlungsmittel und lieferte gleich einen Umrechnungskurs: 80 Schneckengehäuse entsprachen damals einem Silber Saggio und dieser wiederum zwei venezianischen Groschen.

Eher nur von regionaler Bedeutung waren andere bemerkenswerte Formen des Geldersatzes. Das ab 490 v. Chr. vom Fürsten von Zhao in großen Mengen ausgegebene „Spatengeld“ Jianzubu hieß so, weil es – mit einiger Phantasie des Betrachters – an einen Spaten erinnerte. Später wurden diese ungewöhnlichen Münzen dann großteils eingeschmolzen und zu Speerspitzen verarbeitet.

„Tiger“ in der Tasche

Die im Königreich Lanchang ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert als Zahlungsmittel ausgegebenen kleinen Silberbarren wurden wegen ihrer rauen Oberfläche „Tigerzungengeld“ genannt.

Was sagen uns diese wenigen Beispiele für frühe Formen des Geldes? Sie sagen uns, dass “Geld ist, was gilt“. Ob Bitcoins oder Kaurischnecken – auf das Vertrauen der Menschen in ihre Zahlungsmittel kommt es an.

Leselinks

Interessante Rundreise durch die Geschichte des Geldes:
https://www.geldmuseum-xanten-wardt.de/

Private Seite mit ausführlichen Informationen zu vormünzlichen Zahlungsmitteln:
https://shismatic.jimdofree.com/sammlung/geld-primitivgeld/

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