VW-Abgasskandal – eine Chance für Innovationen?

VW-Abgasskandal – eine Chance für Innovationen? 

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Der Skandal um manipulierte Abgastests riss in der vergangenen Woche das Image und den Aktienkurs des Wolfsburger Automobilkonzerns Volkswagen in die Tiefe. Er erschütterte weltweit das Vertrauen in die Autobranche sowie in die Qualitätssicherheit. Bislang durften sich Konsumenten insbesondere bei deutschen Produkten auf das Gütesiegel «Made in Germany» verlassen.

An vorderster Front stand immer die deutsche Automobilindustrie die sich über viele Jahrzehnte das Image tadelloser Qualität und in der Neuzeit insbesondere auch das Label «umweltfreundlich dank technologischen Fortschritts» auf die Fahnen geschrieben hatte. Durch den Abgasskandal wird dieses Vertrauen in die gesamte Automobilbranche erschüttert. Die Frage steht im Raum, ob man vielleicht nicht nur in Wolfsburg auf die Idee gekommen ist, Testergebnisse zu schönen. Dabei geht es um Wettbewerb, Marktanteile und sehr viel Geld. Meist weiss die Konkurrenz darüber Bescheid, was in der Branche läuft und welcher Hersteller woran und mit welchen Methoden arbeitet. Müssen wir uns also auf weitere Enthüllungen gefasst machen? Könnten eventuell auch andere Tests (z.B. Benzinverbrauch, Sicherheit etc.) manipuliert sein? Kritische Fragen sind angebracht. Die Autohersteller (nicht nur VW) werden sehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um das Vertrauen der Käuferschaft zurückzugewinnen. Vertrauen müssen aber auch die Anleger wieder fassen. Volkswagen galt, wie die anderen deutschen Autohersteller, als relativ sicheres Investment, was in Folge des kräftigen Kurseinbruchs und der Tragweite des Skandals in Frage gestellt ist. Volkswagen muss nun auch für Investoren seine Zukunftsfähigkeit neu unter Beweis stellen.

Made in Germany

Wie Schweizer Produkte stehen auch eine Vielzahl von Gütern und Innovationen aus Deutschland für sehr gute Qualität. Hierfür bezahlen Konsumenten normalerweise auch einen höheren Preis. Ist dieses Gütesiegel durch den VW-Skandal in Gefahr? Nein, ich glaube nicht, denn einzelne Verfehlungen und Fehler werden diesen sicherlich nach wie vor berechtigten guten Ruf nicht in Frage stellen. Das Gütesiegel «Made in Germany» geht übrigens auf eine aus heutiger Sicht amüsante Anekdote zurück: So sollen sich die Engländer Ende des 19. Jahrhunderts darüber aufgeregt haben, dass deutsche Firmen britischer Produkte kopierten. Sie versuchten, dies mit einem neuen Gesetz zu unterbinden. Produkte aus fremden Ländern, insbesondere aus Deutschland, die nach Grossbritannien eingeführt wurden, mussten mit einem «Made in» gekennzeichnet werden. Der Schuss ging jedoch nach hinten los. Waren doch vor allem Produkte «Made in Germany» qualitativ so hochstehend, dass diese «Warnung» quasi zum Gütesiegel wurde. Dieses wird trotz des VW-Skandals Bestand haben.

Eine Chance für sauberere Autos

Die Automobilbranche könnte die Gunst der Stunde nutzen und sich mit Innovationen wieder eine «saubere Weste» zulegen. Automobile mit weniger oder eben ohne Schadstoffemissionen dürfen keine Zukunftsvisionen sein, sondern sollten nun konsequenter produziert werden. So könnte sich diese Krise als perfekte Gelegenheit erweisen, um dank bereits vorhandener, aber nicht konsequent umgesetzter Technologien, wie Methan-, Wasserstoff-, Hybrid- und vor allem Elektroantriebe, noch ehrgeizigere Emissionsziele zu erreichen. Neue Autobauer wie Tesla, aber auch die IT-Giganten Google und Apple dürften ihrerseits schon bald mit Innovationen im Automobilbereich aufwarten. Für längerfristig orientierte und risikoaverse Investoren dürfte Volkswagen auf geraume Zeit mit zu viel Unsicherheit behaftet sein. Die Selektion der besten Werte im Automobilsektor könnte sich angesichts des Abgasskandals zukünftig noch stärker auf Innovationen und die Entwicklung umweltfreundlicher Antriebe fokussieren. So gesehen bietet eine Krise auch immer eine Chance, vielleicht sogar, um ein neues Zeitalter beim Automobil einzuläuten.

Leselinks:

Udo Stähler hinterfragt auf dem Blicklog die langfristigen Auswirkungen des Skandals (29.09.2015): VW – ein Mythos. Ist das noch Romantik oder kann das jetzt weg?

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 7. Oktober 2015 | Die Börsenblogger

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