Wandelanleihen: Altes Finanzierungsinstrument für moderne Anlageportfolios

Wandelanleihen: Altes Finanzierungsinstrument für moderne Anlageportfolios 

Das Finanzierungsinstrument aus der Zeit der Rockefellers, Vanderbuilts und Carnegies ist für viele die richtige Antwort auf die aktuelle Situation in den Finanzmärkten.

Besondere Situationen erfordern neue Massnahmen. Die fortschreitende Industrialisierung im Amerika des 19. Jahrhunderts machte den Ausbau der Verkehrswege erforderlich. Um den Neubau des Eisenbahnnetzes zu finanzieren, der den Nachschub an Rohstoffen und die Verteilung der Waren garantieren sollte, wurde den Investoren ein neues Anlagepapier angeboten: die Wandelanleihe, eine Kombination aus Anleihe und Aktie. Die Wandelanleihe ist ein Finanzierungsinstrument aus der Zeit, als Unternehmerdynastien wie die Rockefellers, Vanderbuilts und Carnegies entstanden, deren Namen auch heute noch weltbekannt sind. Jetzt ist es – wenn auch als Nischenprodukt – wieder en vogue.

Wie eine konventionelle Anleihe hat auch die Wandelanleihe eine feste Laufzeit, eine feste Rückzahlung und eine feste Verzinsung – und dadurch ein entsprechend tieferes Verlustrisiko als ein Engagement in Aktien. Gleichzeitig ermöglicht die Wandelanleihe, von einem steigenden Aktienkurs des herausgebenden Unternehmens zu profitieren. Der Inhaber hat das Recht, nicht aber die Pflicht, sprich die Option, die Wandelanleihe während einer Wandlungsfrist zu einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien des Unternehmens einzutauschen.

Der Nominalzins einer Wandelanleihe liegt unter dem Zins einer vergleichbaren konventionellen Anleihe. Das freut das Unternehmen, das die Wandelanleihe herausgibt, und ist für den Anleger nur ein kleiner Nachteil. Dieser hofft ohnehin auf einen höheren Kurs. Weitere Vorteile für das ausgebende Unternehmen sind, dass nur der nicht umgetauschte Teil der Wandelanleihe getilgt werden muss, und die Zinsen den zu versteuernden Gewinn mindern. Nachteilig für die Eigentümer und damit die bestehenden Aktionäre ist, dass sie die Aktien unter Wert abtreten müssen, wenn sich der Kurs unerwartet gut entwickelt hat, und damit ihr Anteil verwässert wird.

Die Vorteile für den Anleger sind – neben dem möglichen Umtauschgewinn durch einen entsprechend hohen Kurswert der Aktien zum Umtauschzeitpunkt – die Kombination von festem Ertrag bis zum Umtausch, und dass in der Regel die Kursverluste durch den Rückzahlungsanspruch zum Nennwert abgesichert sind und dass ein steigender Aktienkurs auch zu einem entsprechenden Kursanstieg der Wandelanleihe führt.

Die Bedingungen einer Wandelanleihe sind meist sehr individuell geregelt, was die Bewertung dieser Papiere zu einem komplexen Unterfangen macht. Das erschwert Privatanlegern den Zugang. Diese können über entsprechende Fonds einsteigen – was zunehmend geschieht. Der Nischenmarkt Wandelanleihen hat immerhin ein Volumen von rund 500 Milliarden US-Dollar.

Die prosperierenden amerikanischen Eisenbahngesellschaften haben es gezeigt: Von der Wandelanleihe können Unternehmen und Anleger profitieren. Der Blick in die Vergangenheit kann sich durchaus lohnen. Denn auch die zwischenzeitlich immer wieder vergessen gewesene Wandelanleihe kann das bestehende Portfolio perfekt ergänzen.

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