Was die Lombard Street mit dem Bankgeschäft zu tun hat

Was die Lombard Street mit dem Bankgeschäft zu tun hat 

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Anleger kennen Lombardkredite vor allem im Zusammenhang mit der Belehnung von Wertschriften. Ihr Ursprung ist aber ein ganz anderer.

Im mittelalterlichen Europa verbot die katholische Kirche die Erhebung von Kreditzinsen. Erlaubt war hingegen, für einen Kredit Sicherheiten zu fordern. Dies praktizierten vor allem reiche norditalienische Kaufmannsfamilien aus der Lombardei, deren Gläubiger Könige, Feudalherren und Kardinäle waren. Als Sicherheit traten die Adligen ihren Geldgebern künftige erwartete Steuer- und Zolleinnahmen ab, aus denen die Rückzahlung und Verzinsung gedeckt wurden. Die nach ihrer Herkunft Lombardi genannten Kreditgeber beflügelten mit diesen Transaktionen nicht nur ihr eigenes Handelsgeschäft: Indem sie grosse Handelsexpedition und sogar kriegerische Feldzüge finanzierten, sicherten sie sich grossen Einfluss und Reichtum. Allerdings war dieses Geschäft auch mit hohen Risiken verbunden. 1345 konnte der englische König Eduard III. einen Grosskredit in der Höhe von mehreren hunderttausend Goldflorin nicht mehr zurückzahlen, woraufhin einige der damals führenden italienischen Bankhäuser den Bankrott erlitten.

Die Finanzierung von Adligen war im 14. Jahrhundert die Krone des Lombardkredits. Wenn einfachere Leute gegen Sicherheiten Geld aufnehmen wollten, gingen sie zu den Pfandleihhäusern. Diese waren ursprünglich von der Kirche gegründete gemeinnützige Institutionen, wandelten sich aber zunehmend zu normalen kommerziellen Unternehmen. Weil die Kreditvergabe von Juden an Christen und umgekehrt nicht vom kirchlichen Bann betroffen war, fassten in diesem Bereich vor allem Juden Fuss. Das Lombardgeschäft breitete sich in den folgenden Jahrhunderten entlang der Handelsrouten in ganz Europa und bis nach Übersee aus. Die damals gegründeten Pfandleihhäuser gaben Strassen in vielen europäischen, aber auch US-amerikanischen Städten ihren Namen – von der weltberühmten Lombard Street in San Francisco bis zur Lombard Road in London. Und Pfandleihäuser werden in Russland und Polen auch heute noch Lombard genannt.

Leselinks:

  • Artikel über italienische Bankiersfamilien zur Zeit des Lombard in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit»: Lombard
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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 14. Juni 2016 | Die Börsenblogger

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