Was ist eigentlich ein Social Impact Bond?

Was ist eigentlich ein Social Impact Bond? 

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Öffentliche Budgets für Gesundheit, Bildung und Soziales sind oft knapp, die Herausforderungen in diesen Bereichen jedoch enorm – vor allem in Entwicklungsländern. Eine innovative Möglichkeit, diese Finanzierungslücke zu schliessen, bieten seit 2010 sogenannte Social Impact Bonds.

Social Impact Bonds (SIB) sind öffentlich-private Partnerschaften, die ambitionierte soziale Programme finanzieren. Im Erfolgsfall zahlt die Regierung privaten Geldgebern ihre Investitionen mit Verzinsung zurück. Manche dieser Projekte werden nach erfolgreichem Abschluss eines SIB sogar als offizielle Regierungsprogramme etabliert.

So funktioniert’s: Wie SIBs wirken und wirtschaften

Bei SIBs handelt es sich trotz der etwas irreführenden Bezeichnung nicht um Wertpapiere, die auf Kapitalmärkten gehandelt werden, sondern um komplexe Verträge zwischen mehreren Parteien: (Stadt-/Landes-/Staats-) Regierungen, welche Finanzierung für innovative Programme suchen; etablierten privaten Organisationen, die das Programm umsetzen sollen; und nicht zuletzt privaten Geldgebern. Konzipiert und gemanagt werden sie meist von einem erfahrenen Projektmanager. SIBs sind ein so genanntes Pay-for-Success-Modell: Ob Investoren Rückzahlungen erhalten, hängt davon ab, ob das finanzierte Programm nach einem vereinbarten Zeitraum und unabhängiger Evaluation tatsächlich die gewünschten sozialen Ziele erreicht hat. Diese sind in den Verträgen, die einem SIB zugrunde liegen, genau festgehalten. Die Höhe der Verzinsung wiederum hängt vom Grad des Erfolgs ab: Sollte das Programm die vereinbarten Ziele etwa übertreffen, so können finanzielle Gewinne für die privaten Geldgeber schon mal attraktiv ausfallen.

Die genaue Struktur eines SIBs kann je nach Anwendung variieren, zumeist folgt sie jedoch obigem Schema. Das Risiko, das mit innovativen sozialen Programmen einhergeht, liegt in diesem Finanzierungsmodell somit nicht bei der Regierung, sondern wird an private Investoren ausgelagert. Dadurch wird vermieden, dass Steuerzahler für letztlich erfolglose Programme herhalten müssen.

Ein verwandtes Instrument bzw. eine Variation sind sogenannte Development Impact Bonds (DIBs). Hier wird die Rolle der Regierung von philanthropischen Geldgebern übernommen, welche im Erfolgsfall Rückzahlungen an Investoren leisten. Diese Variante ist besonders für jene Entwicklungsländer relevant, in denen Regierungen die finanziellen Mittel schlichtweg nicht aufbringen können. Ein DIB erlaubt den philanthropischen Investoren in diesem Szenario, ihr Risiko zu minimieren.

Grund für Optimismus: Mit SIBs Rückfälligkeit von ehemaligen Sträflingen vorbeugen

Der weltweit erste Social Impact Bond wurde 2010 in Grossbritannien lanciert und zielte darauf ab, die Rückfälligkeitsrate von ehemaligen Sträflingen durch Betreuung nach ihrer Entlassung zu reduzieren. Voraussetzung für Rückzahlungen war eine Reduktion um mindestens 7.5 Prozent über einen Zeitraum von sechs Jahren. Ein Zwischenbericht 2014 dokumentierte einen Rückgang von 8.4 Prozent. Die britische Regierung beschloss daraufhin ein Programm, das im SIB getestete Betreuungsleistungen für ehemalige Gefängnisinsassen enthält, standardmässig anzubieten.

Auch aus dem Portfolio von LGT Venture Philanthropy gibt es Erfolge zu berichten: Die indische Organisation Educate Girls lancierte beispielsweise 2015 mit Partnern den ersten Development Impact Bond im Bildungssektor. Diesen Sommer wurden die Resultate publiziert. Educate Girls hatte 160 Prozent der vereinbarten Lernerfolge erzielt, und auch in den Schuleinschreibungsraten stolze 16 Prozent über die gesetzten Ziele hinausgeschossen. Damit belegte die Organisation auf eindrucksvolle Weise nicht nur die Effektivität ihrer Arbeit, sondern lieferte auch einen starken Präzedenzfall für das Potenzial von DIBs.

Laut der Datenbank von Instiglio, einem erfahrenen Manager von SIBs und DIBs, wurden und werden weltweit seit 2010 bereits über 100 Bonds implementiert und rund 30 sind aktuell in Entwicklung. Social Impact Bonds haben seit 2010 knapp 400 Millionen US-Dollar an Geldmitteln beschafft.

Finanzielle Anreize können soziale Investitionen attraktiver und effektiver machen

SIBs und DIBs können und sollen andere Arten der Finanzierung nicht ersetzen. Sie sind vielmehr ein weiteres Instrument im sozialen Investment Bereich – mit besonderen Vorteilen: Sie erhöhen die Effizienz und Effektivität im Einsatz öffentlicher bzw. philanthropischer Mittel, fördern Innovation und schaffen finanzielle Anreize für neue Akteure, sich im sozialen oder Entwicklungsbereich zu engagieren. Die Struktur der Bonds ist rigoros und setzt voraus, dass Fortschritte beständig gemessen werden. Dadurch können Programme rascher angepasst und die gewünschten Ziele auch tatsächlich erreicht werden. Zudem zeigen die Erfahrungen, dass SIBs und DIBs zu einem gewissen Umdenken geführt haben. Durch die Zusammenarbeit tauschen sich öffentliche und private Akteure heute vermehrt aus und entwickeln ein besseres Verständnis füreinander. Zusätzlich sind sie durch die Struktur der Bonds dazu gezwungen, sich stark auf die Resultate zu konzentrieren.

Aktuell spalten sich die Meinungen im Markt: Während manche Experten SIBs bereits als Mainstream bezeichnen und sich nun auch etablierte Finanzinstitute an SIBs heranwagen, haben andere berechtigte Bedenken. Kritisiert werden etwa die Kosten für die Strukturierung der Instrumente sowie die Unklarheit rund um finanzielle Renditen. Ebenso gibt es Befürchtungen, dass der öffentliche Sektor im Rahmen von SIBs den Interessen des Finanzsektors zu sehr entgegenkommen muss bzw. SIBs dem Ethos des öffentlichen Dienstes schaden könnte. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Vor- oder Nachteile überwiegen.

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