Was können wir von Bangladesch lernen?

Was können wir von Bangladesch lernen? 

Kennen Sie Bangladesch? Verbinden Sie Bangladesch mit Nachhaltigkeit? Mit grünem Banking? Mit sinkender Inflation und stabiler Währung? Wohl kaum. Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt; nur gerade mal 13 Prozent der Bevölkerung verfügen über ein Bankkonto. Viele unserer Kleider stammen aus einer Textilfabrik aus Bangladesch und meistens hören wir in den Nachrichten, dass eine Naturkatastrophe das Land heimgesucht hat.

Die Zentralbank richtet‘s

Doch, dass der Gouverneur der Nationalbank Bangladeschs, Atiur Rahman , die Banken in seinem Land seit seiner Wahl 2009 dazu auffordert, umweltfreundliche Kriterien bei der Kreditvergabe zu berücksichtigen, davon wissen die wenigsten. Oder dass er alles dafür tut, die Armut durch breit angelegte Programme zur finanziellen Inklusion der Armen zu bekämpfen.

Nach seiner Wahl zum Zentralbankchef führte Atiur Rahman umweltfreundliche grüne Finanzpraktiken ein, um die Risiken der Klimaveränderung und die Umweltverschmutzung im Land einzudämmen. Ökologisch orientierte Bankgeschäfte sind ein grosser Treiber für nachhaltiges Wachstum, nicht nur bei uns, sondern in besonderem Masse auch in Entwicklungsländern. So begünstigt die Zentralbank innovative Initiativen zur finanziellen Inklusion der Armen, indem sie mehr Kredite zu sozialverträglichen und umweltfreundlichen Geschäftstätigkeiten kanalisiert.

Dank dieser Massnahmen werden alle Bevölkerungsschichten inklusive Bauern, kleine und Kleinst-Unternehmen und Unternehmerinnen dazu ermutigt, Produktivitätsanstrengungen vorzunehmen.

Zu den Aufgaben der Zentralbank gehört auch, dass sie die Banken dazu verpflichtet, das Thema Corporate Social Responsibility im Kerngeschäft zu verankern, die unternehmerische Verantwortung wahrzunehmen und ökologische Kriterien als festen Bestandteil in der Kreditprüfung zu berücksichtigen.

Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil in Bangladeschs Banken

Rahman hat auch durchgesetzt, dass die Zentralbank jährlich die Nachhaltigkeits-Programme der Banken verabschiedet. Dies, weil in gewissen Bereichen dringende Bedürfnisse gedeckt werden müssen. Von den Banken wird erwartet, dass sie in den Gemeinden, in denen sie tätig sind, folgende Aktivitäten durchführen:

  • 30 Prozent des Nachhaltigkeitsbudgets müssen sie für Bildung und Berufstraininigs für unterprivilegierte Bevölkerungsschichten allokieren.
  • 20 Prozent des Nachhaltigkeitsbudgets müssen sie für die Unterstützung präventiver und kurativer Krankheitspflege für unterprivilegierte Bevölkerungsschichten einsetzen.
  • Die restlichen 50 Prozent des Budgets können die Banken frei für Katastrophenhilfe, Fördern von umweltfreundlichen Praktiken und Lebensstilen, Infrastrukturverbesserung für benachteiligte Gemeinden in abgelegenen Regionen.

Rahman hat ebenso dazu beigetragen, dass neben einem reformierten Bankensektor die Informations- und Telekomtechnologie modernisiert und neue Bezahlsysteme sowie Richtlinien zur Evaluation von Umweltrisiken eingeführt werden. Weiter fördert die Zentralbank die Verbreitung von Mobiltelefonen und Smartcard-basierten Finanzdienstleistungen.

Die verstärkte Förderung des Mobile Banking erleichtert auch Bewohnern ländlicher Gegenden den Zugang zu Finanzdienstleistungen. Diese Massnahmen haben mit dazu beigetragen, dass die Armutsquote in Bangladesch auf einem historischen Tiefstand ist.

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Es gibt 5 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 8. Mai 2015 | Die Börsenblogger
  2. Gregor on Tour at 10:06

    Was ist der Hauptgrund, dass nur 13 % der Menschen in Bangladesch ein Bankkonto haben? Wie lässt sich das verbessern? Oh weh. Wie würde es bei uns aussehen, wenn so eine geringe Durchdringung von Konten in der Gesellschaft wäre.

    • Ursula Finsterwald
      Ursula Finsterwald at 13:26

      Lieber Gregor

      Herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Bangladesch gehört zu einem der ärmsten Länder der Welt, 43 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze und müssen mit weniger als USD 1.25/Tag auskommen. Banken und Finanzdienstleister sind in den armen Regionen Bangladeschs oft nicht vertreten. Der Zugang zu Finanzdienstleistungen ist also nicht vorhanden. Die Menschen vor Ort würden auch die Kriterien für die Eröffnung eines Kontos nicht erfüllen, welche die Zentralbank festlegt.

      Seit Atiup Rahman, Gouverneur der Zentralbank Bangladeschs ist, hat sich bereits einiges verbessert, wie ich in meinem Blog aufgezeigt habe: Anforderung an Banken und Verabschieden der Nachhaltigkeitsprogramme der Banken, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Zudem fördert er das Mobile Banking, um auch den Menschen in Regionen den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen, in denen keine Banken sind.

      Es braucht aber natürlich noch viel mehr, dass Bangladesch aus der Armut findet. Ein zentraler Punkt spielt hier Zugang zu Bildung, etwas was bei uns vorhanden ist.

      Wenn bei uns nur 13 Prozent der Bevölkerung ein Konto hätten, würde die Gesellschaft ganz anders funktionieren und wir würden nicht den heutigen Wohlstand haben.

      Beste Grüsse
      Ursula

  3. Gregor on Tour at 14:45

    Klasse! Vielen Dank für das persönliche Feedback 🙂

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