Was sich alles mit Geld kaufen lässt – und was nicht

Was sich alles mit Geld kaufen lässt – und was nicht 

Die Märkte sind in vielen Bereichen unseres Alltagslebens auf dem Vormarsch: es gibt einen Preis für viele Dinge und was dem Einfluss der Märkte noch nicht ausgesetzt ist, ist wie eine immer kleiner werdende Insel.

Ein Professor der Harvard University, Michael J. Sandel, hat sich mit dieser Entwicklung auseinandergesetzt und seine Beobachtungen und Einschätzungen in einem spannenden Buch «What Money Can’t Buy» veröffentlicht.

Der Autor veranschaulicht einige interessante Aspekte des Kaufens – und des «Nicht-Kaufen-Könnens» durch konkrete Beispiele aus dem Alltag:

«In einer Schlange zu stehen und zu warten bis man dran ist» ist ein Mechanismus, um Dinge unter Interessenten zu verteilen, welcher auf dem Prinzip vom «first come, first served» beruht. Dieses Prinzip hat einen egalitären Anspruch: unabhängig von Privilegien, Macht oder finanziellen Mitteln muss man warten, bis man an der Reihe ist. In vielen Bereichen des Alltags kommt dieser Mechanismus zum Einsatz: einige – wie auf den Bus warten – sind eher harmlos, andere sind heikler. In China bilden sich offenbar in öffentlichen Spitälern riesige Schlangen von Patienten, die ein Ticket lösen und lange warten müssen, bis sie von einem Arzt untersucht werden. Hier haben sich inzwischen Gruppen organisiert, welche sich solche Tickets beschaffen, die sie dann für mehrere Hundert Dollar an die Wartenden verkaufen. Es ist ein Markt für «Schlangentickets» entstanden – es stellt sich allerdings die Frage, ob es berechtigt ist, dass solche Gruppen Geld erhalten, obwohl die eigentliche Leistung von den Ärzten erbracht wird? Eine weitere Frage, die hier aufkommt ist, ob in diesem öffentlichen System wirklich die Personen einen Vorteil erhalten können, die über mehr finanzielle Mittel verfügen?

Anreize können sehr subtile Verschiebungen im Verhalten der Menschen auslösen.

Einige Kinderkrippen in Israel wollten das Problem lösen, dass Eltern ihre Kinder oft zu spät abholten. Sie führten eine Busse ein. Was passierte? Die Einführung einer monetären Abgeltung änderte die Verhaltensnorm: hatten sich die Eltern zuvor schuldig gefühlt, wenn die Lehrer auf Sie warten mussten, betrachteten sie die Busse nun als eine Gebühr für eine Dienstleistung an, die sie sehr gerne in Anspruch nehmen wollten. Ergebnis: die Zahl der Eltern, die zu spät zum Abholen kamen, stieg an.

Gibt es Dinge, welche Geld nicht kaufen kann? Die Ausführungen von Prof. Sandel sind verblüffend und man entdeckt Einiges, das sich wider Erwarten mit Geld kaufen lässt:

  • Leute, die sich in deinem Namen bei Dritten entschuldigen: das Motto dieser Firma ist «We say sorry for you»
  • Hochzeitsreden für Trauzeugen
  • Freundschafts-Klicks auf Facebook

Ich möchte aber dem interessierten Leser den Genuss der Lektüre dieses Buches nicht durch zu viele Informationen verderben. Dieses Buch ist auch ein Ding, das sich mit Geld kaufen lässt, aber die Freude daran ist unbezahlbar.

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 18. Mai 2015 | Die Börsenblogger
  2. Stefan Böhm at 11:34

    Danke, für Ihren interessanten Beitrag.

    Weitere Infos zu einer passenden Umfrage von Statista zum Thema:

    1) „Macht Geld glücklich“: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/813/umfrage/macht-geld-gluecklich/

    2) „Mehr Geld bedeutet nicht zwingend mehr Konsum“: http://de.statista.com/infografik/2056/monatliche-veraenderung-der-indikatoren-einkommens-erwartung-und-kaufbereitschaft/

    3) „Wofür sparen Sie?“: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/161823/umfrage/sparmotive-der-bundesbuerger/

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.