Was unser Geld mit römischen Gänsen zu tun hat

Was unser Geld mit römischen Gänsen zu tun hat 

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Das Wort «Münze» kommt von «moneta», dem Beinamen Junos, der First Lady des römischen Götterhimmels.

Das deutsche Wort für ein Geldstück, «Münze», kommt vom lateinischen «moneta», ebenso wie die englische Münzstätte «mint» oder die gaunersprachlichen «Moneten». Doch mit Geld hatte das lateinische Wort «moneta» zu Beginn weniger zu tun als mit Göttersagen. Und das kam so:

Auf der östlichen Kuppe des römischen Kapitols, dem kleinsten der sieben Hügel Roms, befand sich seit jeher ein der Göttin Juno geweihter Tempel. Juno, die Gattin von Chefgott Jupiter, wurde von den Römern als Schirmherrin der Stadt verehrt, als Göttin für Geburt, Ehe und Fürsorge – und sie trug den Beinamen «Iuno moneta», vom lateinischen Verb «monere», «mahnen». Wie aus der First Lady des römischen Götterhimmels Juno, die Mahnerin, und aus ihr wiederum unsere heutige Münze wurde, erzählt der römische Geschichtsschreiber Titus Livius in seinem Werk «Ab Urbe Condita Libri», auf Deutsch: «Die Bücher, von der Gründung der Stadt Rom an»:

Im kapitolinischen Juno-Tempel waren ursprünglich Gänse gehalten worden, denn die Gans galt als das heilige Tier der Juno. Als am 18. Juli 387 v. Chr. Gallier vom Stamm der Senonen unter der Führung ihres Generals Brennus in der Schlacht an der Allia die römischen Truppen verheerend schlugen und kurz darauf grosse Teile Roms in Brand setzten, flüchteten viele Römerinnen und Römer auf das als Fluchtburg dienende Kapitol. Eines Nachts schlich sich ein Trupp gallischer Krieger auf einem schmalen Pfad hoch auf den kapitolinischen Hügel. Doch die wachsamen Tempelgänse schlugen mit lautem Schnattern und Flügelschlagen Alarm. Die Verteidiger, in deutlicher Unterzahl, begannen mit den Angreifern zu verhandeln und bewegten die Gallier schliesslich zum Abzug, gegen die Zahlung der stolzen Summe von 1000 Pfund Gold. Weil also die Schutzpatronin Juno mit ihren heiligen Gänsen den Fall des Kapitols verhindert hatte, nannte man sie fortan «Mahnerin» oder «Warnerin».

Im Jahr 344 v. Chr. bauten die Römer an der Stelle des alten einen neuen, grösseren Juno-Tempel. Weil der gut befestigte Neubau unter anderem als sicherer Aufbewahrungsort für öffentliche Urkunden und Wertgegenstände konzipiert war, errichtete man auf dem Gelände auch eine grosse Münzstätte. Die hier geprägten Münzen trugen das Bild und den Namen der «Iuno moneta», der Schirmherrin über die Münzerei, und der göttliche Beiname wurde im lateinischen Sprachraum mit den Jahren zum Inbegriff des Geldes. Als «Münze» wurde das Wort im Deutschen heimisch, als nach dem Untergang des alten Rom die germanischen Könige das römische Münzwesen übernahmen – und mit ihm auch den Namen der kunstvoll geprägten Geldstücke mit ihrer sagenhaften Vergangenheit.

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