Wasser als Investmentrisiko

Wasser als Investmentrisiko 

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Im Jahr 2010 hat die UNO den Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht anerkannt. Trotzdem haben heute immer noch mehr als 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Einrichtungen. Wasser ist eine Schlüsselressource für den Planeten, die immer knapper wird. Diese Entwicklung bringt neue, gravierende Risiken auch für Wirtschaft und Investoren mit sich, die heute noch kaum im Fokus der Risikoanalysen stehen.

Süsswasser eine begrenzte Ressource

95 Prozent des weltweiten Wasservorkommens auf der Erde ist Salzwasser und nur 5 Prozent sind Süsswasser. Rund 70 Prozent des Süsswasservorkommens ist in Eis oder Schnee der Pole und in Gletschern gebunden und kann somit als Wasser nicht sofort genutzt werden. Schmelzwasser der Gletscher ist eine wichtige Trinkwasserquelle und ein Wasserzulieferer für Flusssysteme. Der Klimawandel führt dazu, dass die Gletscher verstärkt abschmelzen, und wir mit mehr Extremwetterereignissen rechnen müssen, die zu Überschwemmungen oder Dürren auch in Regionen führen, die früher nicht betroffen waren.

Als Trink- und Brauchwasser ist Grundwasser am geeignetsten. In vielen Gebieten wird dieses Wasser aber durch menschliche Einflüsse verunreinigt, beispielsweise durch in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide oder Düngemittel, durch menschliche Fäkalien oder die Industrie. Die in der Landwirtschaft eingesetzten Düngemittel sind eine der häufigsten Ursachen für Wasserverschmutzung weltweit: Böden werden überdüngt, Fische sterben, unsere Gesundheit nimmt Schaden und die Wasseraufbereitungskosten erhöhen sich.

Zusätzlich steigt der Wasserverbrauch aufgrund des Bevölkerungswachstums, wegen höheren Einkommen und den Auswirkungen des Klimawandels bis 2025 in Entwicklungsländern um 50 Prozent und in Industriestaaten um 20 Prozent. Ein Blick in die nahe Zukunft zeigt, dass die Verfügbarkeit von sauberem Wasser wirtschaftlich zu einem immer wichtigeren Faktor wird, wie es beispielsweise die Energieversorgung heute schon ist. Viele Regionen steuern damit auf ein Szenario der «Wasservolatilität» zu, weil die Schlüsselressource Wasser in geringerer Menge zur Verfügung steht.

Wasserintensive Branchen – eine Risikobeurteilung

Betrachtet man die volkswirtschaftliche Bedeutung von Wasser, wird schnell klar, welche grundlegende Bedeutung der Wasserkreislauf für den Wirtschaftskreislauf hat und wie gravierend eine Verknappung hier wäre: Die Produktion von Nahrungsmitteln ist die Wasser intensivste Branche überhaupt, von der Aussaat auf dem Feld bis zum fertigen Produkt im Supermarkt. Beispielsweise benötigt die Produktion von Rindfleisch mehr Wasser als jedes andere Nahrungsmittel (1 Kilogramm Rindfleisch = 15 415 Liter Wasser); für die Herstellung eines Kilos Teigwaren werden immer noch 1 850 Liter Wasser benötigt. 70 Prozent des weltweit zur Verfügung stehenden Frischwassers wird in der Landwirtschaft und zwar für die Bewässerung der Felder und die Aufzucht der Tiere eingesetzt.

Gemäss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) steigt die Wasserverschmutzung durch die Landwirtschaft auch in Zukunft weiter. Ein Blick zurück zeigt: In den letzten 50 Jahren stieg die Nutzung von Chemikalien in der Landwirtschaft um 500 Prozent. Heute stellen auch Tierfabriken ein signifikantes Risiko dar.

Die Firmen aus dem Agrarsektor, der Konsumgüterbranche wie auch die fleischverarbeitende Branche sind sich diesen Problemen bewusst und müssen nach Lösungen suchen, um den Wasserverbrauch in der ganzen Wertschöpfungskette verringern zu können. Bei der CDP Umfrage gaben 2014 82 Prozent der Firmen an, dass sie Risiken in Bezug auf Wasser haben und diese einen materiellen Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit haben können.

Investoren als Risikomanager

Investoren sollten das Thema Wasser verstärkt in die Risikoanalyse speziell von Unternehmen in den oben genannten Branchen aufnehmen. Und sie sollten mit den Portfolio-Unternehmen, die diesen Risiken ausgesetzt sind, in einen Dialog treten und mit ihnen Möglichkeiten entwickeln, wie sie den Wasserverbrauch senken, mit einer beschränkten Verfügbarkeit von sauberem Wasser und Wasserstress in der Wertschöpfungskette inklusive der Lieferkette umgehen.

Wichtig ist, dass das Management die Herausforderung auf dem Radar hat und den Verwaltungsrat regelmässig informiert. Erst kürzlich erstellte das Committee on World Food Security (CFS) mit einem Multi-Stakeholder-Ansatz Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren in Landwirtschaft und Nahrungsmittelsysteme. Diese Prinzipien dienen als Rahmenwerk für Investoren, die in die Agrarindustrie investieren wollen. Sie tragen damit dazu bei, dass die Risiken in die Berichterstattung einfliessen und eine Sensibilisierung stattfindet.

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