Wechselkurse: Auch Geld hat seinen Preis

Wechselkurse: Auch Geld hat seinen Preis 

Artikel bewerten

Eine Währung ist keine neutrale Verrechnungseinheit. Sie hat ihren Preis, wenn sie gegen andere Währungen gewechselt wird. Dieser «Preis des Geldes» kann bei flexiblen Wechselkursen so schnell schwanken wie Aktienkurse.

Der Wechselkurs bezeichnet den Preis, der für eine Währung in einer anderen Währung gezahlt werden muss, also beispielsweise die Anzahl an Franken, die für eine bestimmte Summe Euro oder Dollar über den Tresen der Wechselstube wandern. Der schnelle Tausch von Münzen oder Scheinen ist allerdings nur der kleinste Mosaikstein des globalen Wechselkurssystems. Am so genannten Devisenmarkt werden die Währungen in grossem Stil gehandelt und die Wechselkurse festgelegt. Das Verhältnis der Währungen untereinander ändert sich, wenn Marktteilnehmer – angefangen von den Zentralbanken der Länder, über grosse internationale Banken und Unternehmen bis hin zur Masse der grossen und kleinen Anleger eine Währung stärker nachfragen, als eine andere. Hinter dieser Nachfrage stehen sowohl internationale Handelsströme als auch Investitionen. Wenn europäische Konsumenten weniger Waren aus den USA kaufen oder Marktteilnehmer ihr Geld lieber im Euroraum statt in den USA oder im Dollar anlegen, dann sinkt der Dollarkurs im Verhältnis zum Euro. In ein Land und dessen Währung wird gerne investiert, wenn der Wirtschaftsraum als stabil und wachstumsträchtig gilt und die Währung damit als sicher empfunden wird. Entscheiden sich viele Marktteilnehmer für Investitionen in eine bestimmte Währung, wird diese Währung im Vergleich zu anderen teurer – und mit ihr alle Waren und Abschlüsse, die in dieser Währung bezahlt werden. Das Land verliert an internationaler Konkurrenzfähigkeit, es kann weniger exportieren und die Nachfrage nach seiner Währung sinkt wieder. Das umgekehrte Szenario tritt ein, wenn die Währung eines Landes beispielsweise aufgrund negativer Wirtschaftsaussichten abgewertet wird: Importe verteuern sich, eigene Waren können im Ausland billiger gekauft werden, das Land wird international wieder konkurrenzfähiger. So gleichen flexible Wechselkurse Ungleichgewichte zwischen den Wirtschafts- und Währungsräumen aus und steuern Wachstum und Handel. Über die Preise von Gütern und Dienstleistungen beeinflussen sie das grosse Weltgeschehen ebenso wie unseren Einkauf beim Gemüsehändler um die Ecke.

Leselinks:

Es gibt 4 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 1. April 2014 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Wechselkurse: Geld hat seinen Preis « Digitale Klarheit
  3. Maximilian at 08:28

    Ein ganz informativer Artikel, der wieder einmal zeigt, dass ein Wechselkurs auch eine Menge über das Land und seine Entwicklung aussagt und es hier nicht einfach um die Summe von Geld geht.

  4. Florian Semle at 10:59

    Hallo Maximilian – danke das freut mich. Meiner Meinung nach lässt sich kaum eine wirtschaftliche Frage nur wirtschaftlich beantworten, weil sie immer politische und gesellschaftliche Konsequenzen hat – und umgekehrt. Das Spannendste ist immer der Blick über den Tellerrand…

    LG

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.