Wenn das Raritätenkabinett zur Schatzkammer wird 

High-Tech-Entwicklungen wie Smarthphones und Tablets sind ohne den Einsatz besonderer Werkstoffe nicht denkbar. Der Wettlauf zu den noch unerschlossenen Rohstoffvorkommen ist in vollem Gang. Angesichts der fortgesetzten Verdünnung und Vereinzelung strategischer Metalle stellt sich die Frage, wie wir das Technologiewachstum sichern.

Systemrelevante Seltenheiten

Am Beispiel von Indium zeigt sich die Situation der High-Tech-Rohstoffe deutlich: Indium ist ein Schlüsselmetall der Halbleitertechnik und wird vor allem in LED-Anwendungen eingesetzt. In kleinsten Spuren verliert es sich zum Beispiel in Christbaumbeleuchtung, im Rücklicht neuer Autos oder vielleicht gar im Flatscreen, auf dem Sie diese Zeilen lesen.
Deutlich ist, dass ein andauernder Versorgungsengpass nicht nur das Wachstum in der Konsumelektronikbranche hemmt, sondern auch die reibungslose Funktion von viel kritischen Systemen beeinträchtigen könnte – viele Sicherheits-, Energie- und Verkehrsleitsysteme hängen heute unmittelbar von funktionierenden LED-Anwendungen ab.
Den Fragen zur Rohstoffsituation der kommenden Jahre hat sich vor diesem Hintergrund auch die Fraunhofer Studie «Rohstoffe für Zukunftstechnologien» gewidmet. Sie weist für zahlreiche Industriemetalle keine guten Prognosen auf: Die Fördermenge von Indium müsste allein bis zum Jahr 2030 um das 3,3-fache steigen, um nur die prognostizierte Nachfrage in den bestehenden Anwendungen zu decken.

Drei Lösungen

Schon heute haben «Dichtebegriffe» wie Expansion, verengter Spielraum oder Konsolidierungsdruck ihren festen Platz im Wortschatz. Es dämmert langsam die Erkenntnis, dass die verfügbaren Reserven klug einzuteilen sind, denn weiteres Wachstum zu realisieren wird zur Herausforderung. Drei Lösungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

A) Vorkommen erschliessen
B) Produktivität steigern
C) Verwendungsintensität mindern

Die ersten beiden Möglichkeiten A und B stehen für Ceteris-paribus-Varianten. Das heisst, sie beschreiben Zustände, bei denen sich nur die limitierende Variable ändert, die Randbedingungen bleiben unverändert. Die Variante C hingegen steht für kreative Anpassung durch Innovation oder adaptives Lernen.

«Run the same race faster» oder doch «Think different»?

Die Realisierung der Varianten A und B ist attraktiv. Sie führt zu einem Umsatzplus bei gleichzeitiger Hebung von Effizienzpotenzialen. Das Vorgehen steht für Optimierung nach der Logik von «Run the same race faster». Die Krux bei diesem Verbesserungsplan ist allerdings, dass der Einsatz von Spurenmetallen nicht auf Basis geschlossener Kreisläufe geschieht. Anders als etwa bei Agrarrohstoffen schreitet die unumkehrbare globale Feinverteilung der Raritätenmetalle voran.

Die Folgen sind klar: Nach der Gesetzmässigkeit des Modus von «Run the same race faster» ist der unwiederbringliche Verlust der systemrelevanten Seltenheiten programmiert. Die Orientierung am «Think different» ist somit keine Frage der Wahlfreiheit, sondern eine Frage des richtigen Zeitpunkts.

Weiterführende Links:
BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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