Wenn Ess-Piraten Top-Restaurants entern

Wenn Ess-Piraten Top-Restaurants entern 

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Die Geschichte der Zechprellerei ist fast so alt wie die Geschichte des Gastgewerbes – nur die Tricks werden immer perfider.

Der Herr kam in elegantem Zwirn in eines der besten Restaurants im niederländischen Groningen. Er hatte für sich und seine Ehefrau schon vor ein paar Tagen einen Tisch reservieren lassen. Leider werde sich die Gemahlin verspäten, erklärte er dem Ober, bestellte eine Flasche Jahrgangs-Champagner und begann schon einmal mit Amuse-Gueule, Vorspeise und Zwischengericht. Als der misstrauisch gewordene Restaurant-Inhaber nach eineinhalb Stunden vorschlug, mit dem Hauptgang und dem ausgewählten Bordeaux solange zu warten, bis die Ehefrau eintreffe, machte ihm der Gast ein Geständnis: Er sei gar nicht verheiratet. Und da er gerade bei den Geständnissen sei: Er habe auch kein Geld, um die Zeche zu zahlen.

Zechprellerei – ein Volkssport?

Kein Einzelfall in den 1990er Jahren, als die sogenannten Ess-Piraten die niederländischen Gourmet-Restaurants enterten und sich am Feinsten aus Küche und Keller delektierten, ohne die Zeche zu zahlen. Weil Zechpreller keine ernsthaften Strafen zu befürchten hatten und viele Wirte darauf verzichteten, die Zeche in einer langwierigen Prozedur zivilrechtlich einzuklagen, wurde die Zechprellerei in Holland fast schon zum Volkssport.

Ob und unter welchen Voraussetzungen die Zechprellerei einen Straftatbestand darstellt, ist in beinahe jedem Land unterschiedlich geregelt. Jedenfalls entsteht den Hotels und Restaurants allein in Deutschland dadurch Jahr für Jahr ein mehrstelliger Millionenschaden.

Die Zechprellerei ist so alt wie das Gastgewerbe. Der Komödiendichter Aristophanes schrieb um 400 v. Chr. das Stück „Die Fische“, in dem sich eine Wirtin über Dionysos, den Gott des Weines erzürnt. „Der verfluchte Schuft“ habe 16 Laib Brot aufgegessen, gebrüllt wie ein Stier, die Zeche nicht gezahlt und obendrein das Tischtuch mitgehen lassen.

Gleichsam literarisch geadelt wurde die Zechprellerei durch „Die drei Zechpreller“ von Honoré de Balzac, erschienen im Rahmen seiner „Drolligen Geschichten“. Die Hauptrolle spielen darin drei Vagabunden, die es sich im Gasthaus „Zu den drei Barben“ gutgehen liessen und durch eine raffinierte List den Wirt um die Zeche betrogen.

Zechprellerei „mit Karte“

Über eine geradezu zeitgemäße List der Zechprellerei wurde vor ein paar Jahren aus den USA berichtet. Dort zahlten die Betrüger zwar mit ihren Kreditkarten, trugen auf den Rechnungsbeleg aber ein extrem hohes Trinkgeld ein – in einem Fall 200.000 US-Dollar bei einer Zeche von rund 120 US-Dollar. Weil Banken und Kartenorganisationen bei so hohen „Tips“ Betrug vermuteten, wurden diese Trinkgelder nicht ausgezahlt. Das maximale Trinkgeld betrug damals 30 Prozent der Zeche. Was vielen Wirten seinerzeit aber nicht klar wahr: Wenn das Trinkgeld nicht überwiesen wird, erfolgt auch keine Zahlung des eigentlichen Rechnungsbetrags.

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