Von der Kutsche zum „rollenden Tresor“

Von der Kutsche zum „rollenden Tresor“ 

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Für die ersten Werttransporte wurden im 19. Jahrhundert in den USA noch Kutschen eingesetzt. Heute sind gepanzerte High-Tech-Fahrzeuge unterwegs, um Geld, Gold und andere wertvolle Dinge von A nach B zu bringen.

Der deutsche Unternehmer Karlheinz Schies hatte in den 1960er Jahren das, was man gemeinhin ein Luxusproblem nennt. Während eines Aufenthalts in den USA kam er auf die Idee, eine Tankstelle und eine Werkstatt für den auch in den Vereinigten Staaten so beliebten VW-Käfer zu eröffnen. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Doch jeden Tag aufs Neue hatte Schies ein ungutes Gefühl, wenn er seine Einnahmen quer durch Chicago – einer Stadt mit hoher Kriminalitätsrate – zur Bank brachte.

Wieder in die Heimat zurückgekehrt, kaufte er sich einen VW-Bus, baute diesen zu einem „rollenden Tresor“ um und gründete das erste Werttransportunternehmen in Deutschland. Mit dem Slogan „Sicherheit auch nach Ladenschluss“ warb er um Kunden. Die liessen zunächst aber auf sich warten. Viele hielten die clevere Geschäftsidee für eine Art von Paranoia. Schliesslich war es in den 1960er Jahren noch völlig üblich, einen Angestellten mit den Tageseinnahmen nach Ladenschluss zur Bank zu schicken. Das sollte sich in den 1970er Jahren ändern. Die zunehmende Zahl von Überfällen und der Terrorismus machten gesicherte Werttransporte zu einer in ganz Europa gefragten Dienstleistung – und Karlheinz Schies zu einem gemachten Mann.

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Premiere für motorisierte Panzerfahrzeuge

Die Idee, speziell gesicherte Transporte für Geld und andere Wertgegenstände anzubieten, mag damals in Europa neu gewesen sein. In den USA hingegen hatten Perry und Fidelia Brink schon 1859 diese Marktchance erkannt und das Werttransportunternehmen Brink gegründet. Zunächst wurden die Dollars, Gold, Aktien und andere Preziosen noch mit Pferdekutschen befördert. Erst 1927 stellte Brink dann sein erstes motorisiertes und vollgepanzertes Panzerfahrzeug in Dienst.

Auch Karl August Stoof in Brandenburg bei Berlin produzierte im 19. Jahrhundert für seine Kunden anfangs Kutschen. Nach der politischen Wende in der Ex-DDR packte einer seiner Nachkommen, der gelernte Karosseriebauer Fred Stoof, die Gelegenheit beim Schopf und panzerte für eine Werttransportfirma aus Potsdam ein Spezialfahrzeug. Seine Konkurrenten im Westen waren skeptisch.

Wie ein Hochsicherheitstrakt auf Rädern

Inzwischen ist das Unternehmen einer der führenden deutschen Hersteller für gepanzerte Sonderfahrzeuge. Zu seinen Kunden gehört die Bank of England. Jeder Werttransporter gleiche einem kleinen Hochsicherheitstrakt, erläutert der Unternehmer, der allerdings aus naheliegenden Gründen keine Details verraten will.

Schliesslich soll sich auf der Straße nicht wiederholen, was sich jüngst auf einem Flugplatz im russischen Jakutsk ereignet hat, wo tonnenweise Edelmetall-Barren – vor allem Gold – durch eine nicht vorschriftsmässig geschlossene Frachttür purzelten.

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