Wider die Versuchung der Goldminenaktien

Wider die Versuchung der Goldminenaktien 

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Während die breiten Aktienmärkte seit Ende des letzten Jahres stark nach unten korrigiert haben, machte der Goldpreis endlich wieder, was man in unruhigen Marktphasen von ihm erwartet: Er stieg im Januar um fünf Prozent. Die weiteren Aussichten für Gold und Goldminenaktien müssen aber differenziert betrachtet werden.

In diesem Beitrag soll drei populären Ansichten entgegengetreten werden:

  1. Goldminenaktien sind eine gleichwertige Alternative zu physischem Gold.
  2. Goldminenaktien bilden ein attraktives Subsegment im Bereich Minenaktien.
  3. Goldminenaktien sind auf absehbare Zeit überhaupt ein lohnenswertes Investment.

Bereits seit Mitte Dezember befindet sich der Goldpreis in einer Phase der Erholung, nachdem er zuvor während mehrerer Jahre nachgegeben hatte. Goldminenaktien hingegen liefen seit Ende Dezember zunächst im Gleichklang mit den breiten Aktienmärkten und verloren bis Mitte Januar über neun Prozent. Am 19. Januar läuteten sie eine Erholungsrallye ein und beendeten den ersten Monat des Jahres mit einem Plus von dreieinhalb Prozent.

Steht also alles zum besten für Gold und Goldminen? Zunächst zum Gold: Die Kurserholung der vergangenen zwei Monate gibt den Goldanhängern zwar wieder etwas Aufwind. Ob es allerdings zu einer nachhaltigen Trendwende reicht, ist noch unsicher. Denn bereits der Blick auf den Fünfjahres-Chart zeigt, dass der übergeordnete Trend nach wie vor klar negativ ist und der Preis von der technischen Seite bestenfalls an einer Widerstandslinie angekommen ist, die er nun überwinden muss. Positiv lässt sich zumindest feststellen, dass der Goldpreis wieder auf Marktentwicklungen und politische Ereignisse reagiert.

Wer also Gold aus rein strategischen Überlegungen im Portfolio halten will, also nicht auf kurzfristige Kursgewinne spekuliert, sondern einen krisensicheren Wert sucht, der kann die aktuellen Preise nutzen, um eine Position in physischem Gold aufzubauen. Rein ökonomische Argumente sprechen jedoch weiterhin nicht für Gold. In den meisten Volkswirtschaften weltweit ist kein Ansteigen der Inflation feststellbar und steigende Zinsen in den USA lassen andere, ebenfalls sichere Anlagen, im Vergleich attraktiver erscheinen.

Goldminenaktien dagegen unterliegen einer Reihe von Einflussfaktoren, die nicht mit dem Goldpreis zusammenhängen. Nicht überraschend beeinflusst beispielsweise die allgemeine Stimmung auf den Aktienmärkten auch die Goldminenwerte. Dies lässt sich exemplarisch dokumentieren, wenn man sich die Kursverläufe von Gold und Minenaktien seit Anfang Dezember ansieht. Während Gold über fünf Prozent zugelegt hat, blieben Goldminenaktien zunächst stabil, um dann knapp zehn Prozent zu fallen und erst in den letzten Januartagen wieder auf ihr Ausgangsniveau zurückzufinden.

Vergleicht man die Preisentwicklung von Gold und Goldminenaktien seit 2009, so sieht der Abschlag von über 50 Prozent verführerisch aus, mit dem die Aktien von Goldminenbetreibern derzeit im Vergleich zum Wert des Metalls gehandelt werden. Hinzu kommt, dass Goldminenaktien im Durchschnitt ein Verhältnis von Kurs zu Buchwert von lediglich knapp über eins aufweisen und eine hohe Dividendenrendite von knapp drei Prozent bieten.

Die Attraktivität von Goldminenaktien ist allerdings nur eine scheinbare. Denn warum in den Goldminensektor investieren, wenn der breite Minensektor noch attraktivere Bewertungen bietet? Hier notieren die Kurse im Durchschnitt deutlich unter dem Buchwert der Unternehmen und auch die Dividendenrendite liegt mit über fünf Prozent wesentlich höher. Wenn ein Anleger sich also auf das unsichere Terrain von Minenaktien begibt, bietet der breite Sektor also eine deutlich attraktivere Entschädigung des eingegangenen Risikos als der Subsektor der Goldminenwerte.

Hinzu kommt eine Reihe von sehr spezifischen Faktoren, die wie Blei auf Goldminenaktien lasten. Einer dieser Faktoren ist ihre sinkende Profitabilität: Seit 2012 sind die Erlöse je Unze Gold von über 1000 Dollar auf rund 350 Dollar gefallen. Der Hauptgrund hierfür ist, dass der Goldgehalt des Erzes seit dem Jahr 2000 um durchschnittlich über 50 Prozent gefallen ist. Der Durchschnittsgoldgehalt des Erzes in den derzeit produzierenden Minen liegt bei 1.18 Gramm je Tonne. In den noch nicht zur Ausbeutung entwickelten Minen, immerhin zwei Drittel aller Vorkommen, liegt der Goldgehalt dagegen nur noch bei 0.89 Gramm pro Tonne.

Je mehr die aktiven Minen also ausgebeutet werden, desto stärker sind die Minenkonzerne mit steigenden Abbaukosten und entsprechend mit einer abnehmenden Rentabilität konfrontiert. Nach der Goldgräberstimmung des vergangenen Jahrzehnts ist es daher keine Überraschung, dass die Minenkonzerne ihre Investitionen drastisch zurückgefahren haben. Was bleibt, ist das sehr hohe Verschuldungsniveau des Sektors, das in den seit 2003 um durchschnittlich mehr als 700 Prozent gestiegenen Prämien für Kreditabsicherungen zum Ausdruck kommt. Auch wenn die Sorgen vor Kreditausfällen übertrieben sein sollten, so sind Aktien von Goldminenbetreibern weit davon entfernt, die Sicherheit zu bieten, die sich ein Anleger von physischem Gold verspricht.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 4. Februar 2016 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 7. Feb 16 | Pipsologie

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