Geldgeschichten
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Wie aus Münzen „Moos“ wurde

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06.06.2017 - Geldgeschichten:

Warum sprechen wir von „Moos“, wenn wir Geld meinen? Allzu weit hergeholt ist dieser umschreibende Begriff gar nicht. Er geht zurück auf das hebräisch-aramäische Wort für Münzen.

Es gab Zeiten, in denen soll der Gründer und damalige Chef einer mittlerweile sehr erfolgreichen Uhrenmanufaktur im sächsischen Glashütte den Markennamen seiner Zeitmesser mitunter in etwas ungewöhnlicher Weise prononciert haben. Ehemaligen Kollegen zufolge, sprach er in der Start-up-Phase augenzwinkernd von „No Mo(o)s“. Dieser Befund mag, wie zu hören ist, schon längst nicht mehr zutreffen, doch zeigt diese Anekdote, wie tief verankert das Wort „Moos“ als umschreibender Begriff für Geld ist. Es gibt weit über hundert nicht ganz ernst gemeinte Synonyme für Geld, doch der Begriff Moos gehört zu den populärsten. Schließlich weiß jeder: Ohne Moos nichts los.

Dabei ist der Begriff Moos in diesem Zusammenhang keineswegs der Botanik entliehen. Er ist vielmehr abgeleitet vom hebräisch-aramäischen Wort „ma’oth“ für Münzen. „Mooss mesummonim“ steht im Jiddischen für „bares Geld“. Ein westjiddisches Spichwort besagt: „As Got lost leben, mus er derzu mooss geben“. Diese Feststellung bedarf sicher keiner Übersetzung, denn jeder weiß, dass es sich ohne „Moos“ eher schlecht leben lässt. Eben: Ohne Moos nichts los.

Und tatsächlich haben auch die Moose aus unseren Wäldern im übertragenen Sinne etwas mit Liquidität zu tun. Sie speichern wie ein Schwamm das Regenwasser und können das Vier- bis Siebenfache ihres eigenen Gewichts aufnehmen. Das gespeicherte Wasser geben die Moose dann nach und nach ab, so dass der Waldboden nicht austrocknen kann. Ebenso wie der Umlauf von „Moos“ im übertragenen Sinne dafür sorgt, dass die Finanz- und Wirtschaftssysteme nicht auf dem Trockenen sitzen.

Unterschiede sind indessen vor allem im Hinblick auf die Vielfalt auszumachen. Weltweit gibt es etwa 160 anerkannte Währungen: vom VAE Dirham in Abu Dhabi bis zum CFA Franc BEAC der Zentralafrikanischen Republik. Die Zahl der weltweit existierenden Moosarten beläuft sich nach Ansicht von Biologen aber auf mindestens 15 000.

Bleibt am Ende die Frage, weshalb die Menschen so kreativ sind, wenn es gilt, sich so viele alternative Begriffe für ihr Geld zu überlegen. Begriffe, die allesamt nichts mit Finanzen zu tun haben: Moos, Mäuse, Möpse usw. Darüber hat sich der deutsche Volkskundler Lutz Röhrich (1922-2006) schon vor vielen Jahren Gedanken gemacht. Seine Erkenntnis allerdings mutet nicht gerade neu an: Über Geld spreche man eben nicht. Und wenn, dann wähle man gern umschreibende Begriffe. Kein Moos zu haben, klingt eben deutlich sympathischer, als über einen Liquiditäts-Engpass zu klagen.

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2 Kommentare

  1. […] LGT-Finanzblog: Wie aus Münzen „Moos“ wurde […]

  2. […] Wie aus Mün­zen «Moos» wur­de (Deutsch, lgt) […]

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