Wie China das Papiergeld erfand

Wie China das Papiergeld erfand 

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Die ersten Geldnoten entstanden in China, genauso wie die erste Inflation.

Papier und Druckplatten wurden zuerst in China entwickelt. Wenig erstaunlich, dass die Chinesen auch das heutige Papiergeld erfanden. Die frühesten richtigen Geldnoten entstanden während der Song-Dynastie um die erste Jahrtausendwende. Aus Mangel an Kupfergeld gaben Händler private Wechsel aus, die durch eine Geldreserve aus Münzen und Salz gedeckt waren. Im Jahr 1024 riss der Staat das Ausgabemonopol an sich, schuf damit die weltweit erste Zentralbank und setzte die ausgegebenen Noten zur Kriegsfinanzierung ein. Rund 250 Jahre später, während der Yuan-Dynastie, wurde das Papiergeld sogar zur einzigen legalen Währung erklärt. Die Chinesen nahmen damit eine Entwicklung vorweg, die viel später auch in Europa erfolgte. Und genauso wie das heutige Papiergeld, wurden schon die damaligen chinesischen Banknoten mit ausgeklügelter Technik möglichst fälschungssicher gemacht. In seinen Reiseerzählungen beschreibt der venezianische Händler und Abenteurer Marco Polo, der fast zwei Jahrzehnte in China verbracht hatte, wie speziell ernannte Regierungsbeamte ihren Namen auf eigens dafür produzierte schwarze Papierbögen schrieben. Diese wurden anschliessend mit einem Wert und dem Siegel des Herrschers versehen und galten damit als authentisch. Bereits damals gab es eine Annahmepflicht für Geldnoten, die gemäss Marco Polo mit sehr drastischeren Mitteln durchgesetzt wurde: «Diese Papierwährung ist in jedem Teil des Reiches des grossen Khans im Umlauf, und niemand wagt es, unter Androhung der Todesstrafe, ihre Annahme zu verweigern.» Dass sich auf so einfache Weise aus fast wertlosem Papier wertvolles Geld machen liess, war natürlich eine grosse Verlockung für die Herrschenden. Sie begannen, ihre leeren Staatskassen durch die kontinuierliche Ausgabe neuer Geldnoten aufzufüllen.

Die erste Inflation der Weltgeschichte war damit vorprogrammiert: Hatte ein Kuan, die damalige chinesische Währungseinheit, um 1380 noch einen Wert von 1000 Kupfermünzen, fiel dieser bis 1535 auf lediglich noch 0.28 Kupfermünzen. Kein Wunder, dass die Chinesen begannen, der Papierwährung zu misstrauen und das gedruckte Geld später wieder abschafften. Als Marco Polo nach seiner Rückkehr nach Venedig in seinem Buch «Il milione» seine Erlebnisse und Abenteuer im chinesischen Kaiserreich beschrieb, wollten ihm viele Zeitgenossen nicht glauben. Insbesondere die Existenz von Papiergeld schien seinen Zeitgenossen zu unglaublich, um wahr zu sein. Es dauerte über drei Jahrhunderte, bis die Bank von Stockholm im Juli 1661 auch in Europa die ersten offiziellen Banknoten emittierte. Und obwohl die Europäer von den Chinesen hätten lernen können, waren sie schon damals nicht vor der Versuchung gefeit, zu viel Geld zu drucken und damit das Vertrauen in die Papierwährung zu zerstören.

Leselinks:
Thomas Weibel beschreibt in seinem Blogbeitrag den steinigen Weg der Schweizer Banknoten
Matthias Widmer gibt im Blog eKritik einen historischen Überblick der Notenentstehung

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 21. April 2015 | Die Börsenblogger

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