Wird Impact Investing zu Mainstream oder Mainstream zu „Impact“?

Wird Impact Investing zu Mainstream oder Mainstream zu „Impact“? 

5 (100%) 2 votes

Der Private-Equity-Riese KKR kündigte kürzlich den Schritt ins Impact Investing an. Damit folgt die Firma einigen anderen grossen, globalen Namen aus dem Investmentbereich. Hat Impact Investing nun endgültig den Einstieg in den Mainstream geschafft? Welche Chancen und Risiken gehen damit einher?

Ende April gab KKR & Co. L.P. (früher Kohlberg Kravis Roberts & Co.) bekannt, dass die Firma eine globale Impact-Einheit eingerichtet hat. Diese wird künftig Investitionen in junge Unternehmen tätigen, welche gesellschaftlichen oder ökologischen Mehrwert schaffen. Mit diesem Schritt folgt KKR einem Trend, der sich in den letzten Jahren unter den Grossen des Investment-Geschäfts auszubreiten scheint: 2015 lancierten Goldman Sachs und BlackRock dezidierte Impact-Investing-Einheiten, darauf folgte ein Impact Fonds bei Bain Capital. Im Vorjahr setzte TPG Capital den bislang grössten Fonds des Sektors auf: Mit The Rise Fund wurden ganze Milliarden US-Dollar mobilisiert – unter anderem von Prominenten wie Bono und ex-US-Aussenminister John Kerry. Auch die beiden grössten Schweizer Finanzinstitute UBS und Credit Suisse haben seit Jahren Impact-Investing-Angebote, ebenso wie die LGT, um nur einige zu nennen.

SRI, ESG, Impact: Der Dschungel der Standards

Hauptbeweggrund für die Neuerungen im Markt: stetig steigende Nachfrage bei Kunden und Investoren. Impact Investing könnte in Zeiten von drohenden Klimakatastrophen, wachsender Einkommensschere etc. tatsächlich zu einem globalen Instrument für die Zukunft des Investierens werden. Setzt man sich jedoch mit den Möglichkeiten auf dem Markt näher auseinander, so wird rasch klar: Der Sektor ist geplagt von einem wahrhaften Dschungel an unterschiedlichen Begriffen und wirklich einig sind sich nicht einmal die zuständigen Akteure. Das Global Impact Investing Network (GIIN) etwa definiert Impact Investing als „Investitionen in Organisationen, Unternehmen oder Fonds mit der Absicht, messbare positive soziale oder ökologische Wirkung sowie finanzielle Rendite zu erwirtschaften“. In der Praxis wird diese Definition allerdings unterschiedlich interpretiert: Speziell im deutschsprachigen Raum nehmen einige Impact Investoren in Kauf, geringe oder keine Rendite zu erzielen, wenn die soziale Wirkung stimmt. Insbesondere in den USA hingegen scheint so manches als Impact Investing angepriesen zu werden, was in Europa vielleicht eher als „SRI“ (Socially Responsible Investing) oder „ESG“ (Environmental, Social, Governance) Investing eingestuft würde und kaum über Ausschlusskriterien oder „Best-in-Class“-Strategien hinausgeht. Vor diesem Hintergrund wird der Einstieg von etablierten Mainstream Investoren in den Sektor von vielen erfahrenen Impact Investoren mit Skepsis betrachtet. Es wird befürchtet, dass Standards gesenkt werden und somit jene, denen die aktive Schaffung von Mehrwert am Herzen liegt, ihren guten Ruf einbüssen könnten.

Produktive Grauzone

Befürchtungen, dass Impact Investing letztlich zu einer reinen Verkaufsstrategie reduziert werden könnte, sind sicherlich gerechtfertigt: Heute schon wird allerlei „positive Wirkung“ auch rein kommerzieller Investitionen gern stolz und laut kommuniziert (Beispiel: Schaffung von Arbeitsplätzen). Optimisten könnten sich jedoch über die Signalwirkung freuen, welche der Einstieg von grossen, globalen Mainstream Investoren in den Impact-Investing-Bereich mit sich bringt. Zudem stellt ein solcher Schritt auch ein gewisses Risiko für Firmen dar: Zu viel Kritik von etablierten Impact Investoren an einem Angebot könnte der Reputation mehr schaden als nützen. TPG Capital hat für The Rise Fund – vielleicht vor diesem Hintergrund – beispielsweise ein sehr solides Impact Framework erarbeitet, um die positive Wirkung seiner Investitionen zu belegen.

Das Monitor Institut (mittlerweile Monitor Deloitte) beschrieb den Eintritt von Mainstream Investoren in einem Bericht 2009 als grundlegenden Entwicklungsschritt für den Impact-Investing-Sektor in Richtung Maturität. Der Report sah in diesem Zusammenhang zwei Gefahren: dass es dem Mainstream zu schwer gemacht würde, den Schritt überhaupt zu wagen, oder aber zu einfach, woraufhin der Sektor zum „feel good“-Produkt degradiert würde. Auch GIIN-CEO Amit Bouri verfasste im letzten Jahr einen Beitrag zum Thema. Er kam zum Schluss, dass eine gewisse „Definitionsgrauzone“ zumindest in der Übergangsphase wahrscheinlich sogar die beste Strategie sei. Bouri ist zuversichtlich, dass sich der Sektor einem entscheidenden Punkt nähert und sieht es als Aufgabe bestehender Impact Investoren und seines Netzwerkes, Diskussionen rund um ein gemeinsames Verständnis voranzutreiben, und einer inflationären Nutzung von „Impact“ somit vorzubeugen.

Je mehr, desto besser – zumindest für die SDGs

Das wesentliche Kriterium für die Bewertung der diversen Impact-Investing-Aktivitäten ist vielleicht deren aktuell zentralste Aufgabe: Kapital für positiven sozialen und ökologischen Wandel zu mobilisieren. Der Finanzierungsbedarf für eine globale Kurskorrektur ist nämlich immens: Mit den im September 2015 verabschiedeten Sustainable Development Goals (SDGs) erarbeitete die UNO eine Roadmap für die Sicherstellung der nachhaltigen Entwicklung unseres Planeten, welcher aktuell mit noch nie dagewesenen Herausforderungen konfrontiert ist. Das World Economic Forum attestierte diesem ehrgeizigen Vorhaben jedoch wenig später ein Finanzierungsloch von 2.5 Billionen US-Dollar. Die SDG-Agenda selbst sowie deren Finanzierungsstrategie rufen deshalb explizit zur Förderung von Impact Investing auf und sehen dessen Beitrag als unabdingbar. Aus diesem Blickwinkel betrachtet sind es doch eigentlich durchaus erfreuliche Nachrichten, wenn ein weiteres finanzielles Schwergewicht plötzlich am selben Strang ziehen möchte. Ist es dann tatsächlich der richtige Moment, Motivationen und Definitionen zu hinterfragen? Sollte die Frage nicht doch vielleicht besser lauten: Wer zieht als nächstes mit? Alles eine Frage der Perspektive.

Es gibt 1 Kommentar zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 22. Mai 2018 | marktEINBLICKE

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.