Wirtschaftsjournalismus: Gut recherchiert geht auch heute noch

Wirtschaftsjournalismus: Gut recherchiert geht auch heute noch 

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Der letzte Tweet des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump wird innert weniger Minuten tausendfach kommentiert und von den Medien in kürzester Zeit aufgegriffen. Per Push-News erfährt der Smartphone-Nutzer die wichtigsten Entwicklungen der Welt beinahe in Echtzeit. Kann der heute schnelllebige Journalismus den traditionellen Qualitätsansprüchen gerecht werden?

Mobile Reporting, Häppchen-Journalismus, multimediale Beiträge: Durch die Digitalisierung überschlagen sich die Entwicklungen im Journalismus. Drei von vier Schweizern sind smart unterwegs, sie konsumieren Nachrichten und andere journalistische Beiträge mobil. Entsprechend auf diese „Mikro-Lesesituationen“ zugeschnitten sind die Formate: Push-News, Headline-Streams und ähnliches bedienen den Leser heute mit gut verdaulichen Häppchen.

Schnell und qualitativ hochwertig soll es sein

Dennoch verlieren Qualität und Glaubwürdigkeit für den Leser nicht an Bedeutung. FAZ.net Chef Mathias Müller von Blumencron stellt fest, dass Plattformen ohne hochwertige Inhalte wie Facebook oder Snapchat für den Leser weniger Wert seien. Beweis dafür, dass qualitativ hochwertiger Journalismus heute noch zählt, seien die grossen Medienhäuser wie die Washington Post oder der Economist. Sie würden weiterhin den Ton angeben. Leser würden zwar gerne minutenaktuelle Push-News überfliegen, sich in der heutigen Informationsflut aber auch nach sorgfältig recherchierten Produkten mit Anfang und Ende sehnen – als Orientierungshilfe. Dem stimmt auch die junge Auslandskorrespondentin Pauline Tillmann in ihrem Buch „Zehn Trends für Journalisten von heute“ zu: Die Leser seien wieder bereit, längere Beiträge zu lesen.

Wirtschaftsjournalismus vom Feinsten

Journalisten, die diesem Trend folgen wollen, müssen wieder vermehrt nah am Menschen oder am Thema sein. Ganz im Sinne dessen hat die LGT Bank Österreich bereits zum sechsten Mal Wirtschaftsjournalisten für ihre hervorragende Berichterstattung ausgezeichnet.

Eindrücklich und vielschichtig zeigt Elisabeth Woditschka von Forbes in ihrem Beitrag „Der Wert der Autonomie“ auf, wie querschnittsgelähmte Menschen dank innovativer Technologien wieder auf den eigenen Beinen stehen, wie sie um die Finanzierung der sogenannten Exoskelette kämpfen und in welchem moralischen Dilemma sich die Hersteller befinden. Dafür erhielt die junge Autorin den LGT Medienpreis.

Für eine ausgewogene Darstellung und gute Recherche der aktuellen Lage in Estland wurde Stefanie Kompatscher mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet. In ihrem Beitrag „Estland: ein Staat auf Dauerdiät“ zeichnet sie das Bild eines liberalen Musterschülers in der Europäischen Union. Jeder Bürger hat dort eine eigene digitale Identitätskarte, Unternehmen können in 15 Minuten gegründet werden – Sparsamkeit sei das oberste Gebot.

Einen echten Informationsgewinn verspricht der Beitrag von Gerald Gartner „Alter, Bildung, Geschlecht: Wer wieviel verdient“. Anhand einer Lohnsteuerstatistik beleuchtet der Autor gemeinsam mit Markus Hametner die allgemeine Unzufriedenheit mit dem persönlichen Einkommen und zeigt auf, wie sich das Einkommen tatsächlich verteilt. Auch dieser Artikel erhielt bei der Verleihung des LGT Medienpreises einen Anerkennungspreis.

Drei hochinteressante Beiträge, die den Leser in den Bann ziehen und ihn vom unverzichtbaren Wert einer gründlichen Recherche und einer längeren Lektüre überzeugen.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 6. März 2017 | Die Börsenblogger

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