Yellen-Nachfolge: Wieviel Trump steckt in der kommenden Notenbank-Politik?

Yellen-Nachfolge: Wieviel Trump steckt in der kommenden Notenbank-Politik? 

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Mit grosser Spannung wird erwartet, wen US-Präsident Donald Trump als Nachfolger von US-Notenbankchefin Janet Yellen nominiert. Kürzlich hatte Trump die Spekulationen angeheizt und sich anscheinend mit vier möglichen Kandidaten getroffen. Eine Entscheidung sei in den kommenden zwei oder drei Wochen zu erwarten, so Trump. Yellens Amtszeit läuft im Februar 2018 ab – ihr Nachfolger könnte die Koordinaten der amerikanischen Wirtschaftspolitik verändern.

Kevin Warsh: Krisenmanager als Währungshüter

Trumps Favorit ist Kevin Warsh, wie das Wall Street Journal jüngst berichtete. Der 47-jährige Ökonom aus dem Bundesstaat New York studierte in Harvard und Stanford und war bereits Direktor der Notenbank. 2006 wurde der Republikaner vom damaligen Präsidenten George W. Bush als bisher jüngstes Mitglied ins Direktorengremium der Federal Reserve berufen, wo er bis 2011 tätig war. Während der globalen Finanzkrise war Warsh, der zuvor fast sieben Jahre für die Wall-Street-Bank Morgan Stanley tätig gewesen war, der hauptsächliche Verbindungsmann zwischen der Fed und der Wall Street. Er hatte damit unter dem damaligen Fed-Präsidenten Ben Bernanke eine signifikante Rolle in der Krisenbewältigung der Fed inne. Warsh gilt als sogenannter „Falke“, also als Vertreter einer restriktiven Geldpolitik. Er trat insbesondere wegen Meinungsverschiedenheiten über das von der Fed im Kampf gegen die Finanzkrise aufgelegte Wertpapierkaufprogramm 2011 zurück.

Warsh ist seit 2002 mit Jane Lauder, Enkelin und Erbin des Kosmetikkonzerns Estée Lauder, verheiratet und damit auch der Schwiegersohn von Präsident Trumps langjährigem Freund, Geschäftsmann und Philanthropen Ronald Lauder. Ende 2016 schloss sich Warsh einem Wirtschaftsforum an, das vom damals designierten Präsidenten Donald Trump zusammengestellt wurde, um strategische und politische Beratung in wirtschaftlichen Fragen zu bieten. Mit Warsh würde die Notenbankspitze mit einem relativ jungen, jedoch bereits erfahrenen Fachmann bestückt werden, der das Vertrauen des Präsidenten geniesst und auf der Parteilinie der Republikaner ist. Das alles spricht klar für Warsh, doch wie steht es um die amtierende Fed-Gouverneurin Yellen?

Gemischtes Doppel? Taube Yellen und Falke Warsh

Während dem Wahlkampf hatte Trump der amtierenden Fed-Gouverneurin Yellen vorgeworfen, eine politisch motivierte Zinspolitik zu betreiben. Die Notenbankchefin hätte die Leitzinsen künstlich niedrig gehalten, um die Wirtschaftsbilanz des damaligen Präsidenten Präsident Obama zu verbessern. Yellen hatte 2014 von Ben Bernanke übernommen und gilt tendenziell als geldpolitische „Taube“, also als eine Verfechterin einer lockeren Geldpolitik. Allerdings ist noch nicht klar, ob Trump überhaupt beabsichtigt, Yellen abzulösen. Nach wie vor hat der Präsident die Option, sie für eine weitere Amtszeit von vier Jahren zu ernennen und hat dies in jüngerer Vergangenheit auch nicht ausgeschlossen. Vorstellbar wäre dann, dass Trump seinen Favoriten für die Nachfolge an der Notenbankspitze zunächst zum künftigen Fed-Vizechef ernennt. Der derzeitige Stellvertreter Stanley Fischer (73) hat seinen Rücktritt bereits per Mitte Oktober angekündigt. Dies gibt Trump die seltene Gelegenheit, mit der gleichzeitigen Ernennung von Chef und Vizechef der Notenbank deren künftigen Kurs stark beeinflussen zu können.

Weitere Kandidaten: Trump ist immer gut für eine Überraschung

Laut dem „Wall Street Journal“ sind neben Warsh noch weitere Kandidaten im Rennen. Genannt werden John Taylor (70, der Stanford-Ökonom und Republikaner entwickelte die für den Fed-Leitzins lange Zeit massgebliche Taylor-Regel und beriet bereits die Präsidenten Gerald Ford und George W. Bush), Glenn Hubbard (59, Republikaner und Ökonom an der Universität Columbia), sowie der ehemalige Fed-Direktor Lawrence Lindsey (63, Republikaner). Lange Zeit galt Trumps Wirtschaftsberater, Goldman-Sachs-Spitzenmanager und Demokrat Gary Cohn (57) als Favorit für den Fed-Posten, jedoch soll er mit kritischen Äusserungen zur Reaktionen des Präsidenten auf die Ausschreitungen in Virginia in Ungnade gefallen sein. Viele Kandidaten sind noch im Rennen, doch eines ist klar: Donald Trump hat in seiner kurzen bisherigen Amtszeit in Personalfragen immer wieder überrascht. Auch ein „weisser Ritter“, ein Kandidat, der noch nicht im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist durchaus möglich.

Langfristige Weichenstellung: Inflationsmanagement verstärkt im Fokus?

Wie bereits beim Obersten Gericht hat Präsident Trump mit seiner Nominierungshoheit auch bei der Notenbank die Möglichkeit, die Zins- und Wirtschaftspolitik über viele Jahre zu prägen. Durch die Ernennung eines geeigneten Kandidaten, der die politische Agenda des Weissen Hauses und der republikanischen Partei „unterstützt“, kann die Regierung quasi die Geldpolitik strategisch mitgestalten. Mit einem ausgewiesenen „Falken“ wie Warsh an der Notenbankspitze könnte sich der zukünftige Kurs der Fed massgeblich ändern. Während Yellen als geldpolitische „Taube“ während ihrer Amtszeit den Fokus der Geldpolitik stärker auf den Arbeitsmarkt als auf die Inflation legte, dürfte Warsh – sollte er nominiert werden – die Inflationsentwicklung und eine entsprechende Prävention durch eine straffere Zinspolitik stärker gewichten. Dies lässt sich aus den Aussagen Warshs während seiner Amtszeit in der Fed (2006 bis 2011) herauslesen. Da die US-Wirtschaft derzeit (zumindest statistisch gesehen) mit einer Arbeitslosenquote von aktuell 4.4 Prozent quasi Vollbeschäftigung ausweist, wäre die Nomination eines „Falken“ in Bezug auf eine „drohende“ Inflationsbeschleunigung womöglich ein strategisch nicht zu unterschätzender Schachzug. Die Besetzung der Fed-Spitze wird deshalb für Trump, vor allem aber auch für Anleger und Finanzmärkte, eine Richtungsentscheidung sein.

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