Zeigt her Eure Strategien! 

Artikel bewerten

Für einen Investor, der nicht vertraut ist mit nachhaltigen Anlagen und nachhaltigen Anlagestrategien, klingen die Begriffe eher nach Buchstaben-Salat. Allen Anlagestrategien ist aber gemeinsam, dass sie ökologische und soziale Überlegungen in die Finanzanalyse einbauen. Weiter gibt es sogenannte «core» und «broad» Strategien. Bei den weiter gefassten wird das Anlageuniversum weniger stark eingeschränkt dh. der Durchdringungsgrad ist geringer und die Diversifikation – ein Grundpfeiler der Anlagetheorie – kann eingehalten werden.

Nachhaltige Anlagestrategien können einzeln oder in Kombination angewendet werden. Die meisten Anbieter kombinieren Strategien. Als Investor muss ich mir also im Vorfeld überlegen: Was will ich? Was ist mir wichtig? Möchte ich ein ethisches Investment eingehen oder einfach die «saubersten» Unternehmen eines Sektors in meinem Portfolio haben?

Um Ihnen eine Orientierungshilfe zu geben, was hinter welcher Anlagestrategie steckt, gehe ich auf diese näher ein. Betrachten wir die «core» Strategien, die im engeren Sinne und eindeutig auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind:

Beim Negative Screening schliesse ich bestimmte Branchen, Sektoren oder Länder vom Investment-Universum aus, wenn diese gegen spezifische Kriterien verstossen, bspw. Unternehmen, die den Umsatz mit Tabak, Pornographie, Waffen, Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen oder Glücksspiel machen. Bei Staatsanleihen schliesse ich bspw. Länder aus, die den Atomwaffen-Sperrvertrag, die völkerrechtlichen Verträge zum Verbot von Landminen und Streumunition nicht unterzeichnet haben oder die Menschenrechte verletzen.

Beim Positive Screening werden Unternehmen bevorzugt, die zum Beispiel besonders umweltfreundlich produzieren, umweltorientierte Produkte anbieten oder über besonders mitarbeiterfreundliche Arbeitsbedingungen verfügen. Ein gutes Beispiel hierzu ist Geberit. Geberit hat Nachhaltigkeit als einer ihrer Erfolgsfaktoren definiert. Mit konsequentem Ecodesign setzt das Unternehmen neue Massstäbe und arbeitet daran entlang der gesamten Wertschöpfungskette Ressourcen zu sparen, Umwelteinwirkungen zu minimieren und positioniert sich bewusst als Nachhaltigkeits-Leader.

Beim Best-in-Class Ansatz finden nur die besten Unternehmen innerhalb einer Branche, Kategorie oder Klasse den Weg ins Portfolio. In der Konsumgüterindustrie ist das bspw. Unilever. Die Firma setzt sich stark mit Nachhaltigkeit auseinander und hat sich als Ziel gesetzt, Palmöl bis 2020 zu 100 Prozent aus zertifiziertem Anbau zu beziehen. Gleichzeitig sucht es nach Mitteln, diesen Rohstoff zu ersetzen.

Themenfonds investieren in bestimmte Themen oder Sektoren, die neben den ökonomischen auch ökologische, soziale und Kriterien der guten Unternehmensführung einbeziehen. Gute Beispiele sind Wind- und Solarenergie, erneuerbare Energien oder Wasser. Wähle ich diesen Ansatz, muss ich oft einen grösseren Risikoappetit haben oder mir liegt neben der finanziellen Rendite eine idealistische Motivation zugrunde. Denn mein Anlageuniversum ist stark eingeschränkt (Verstoss gegen einen der Grundsätze der Anlagetheorie): Geht es der Branche schlecht, geht es in der Regel auch den Unternehmen der Branche nicht gut. Bin ich risikoavers sollte ich eher in einen breit diversifizierten Fonds investieren.

Nachhaltigkeitsstrategien im weiteren Sinne – die «broad» Strategien

Wenn wir die sogenannten ESG Kriterien (Umwelt, Sozial und Corporate Governance Risiken) in die traditionelle Finanzanalyse einbeziehen, sprechen wir vom Ansatz der Integration.
Wenn ein Investor, in einen langfristigen Dialog mit dem Unternehmen tritt, in welches er investiert ist, bezeichnet man es als Engagement. Übt der Investor seine Aktionärsrechte auf Hauptversammlungen aus, um die Unternehmensführung zu beeinflussen, sprechen wir von Stimmrechtsausübung oder «proxy voting». In der Schweiz gibt beispielsweise Ethos jedes Jahr Abstimmungsempfehlungen für die Stimmrechtsausübung aus. So hiess sie die Vergütung von Daniel Vasella bei Novartis seit Jahren nicht gut.

Fallbeispiel

Als Fallbeispiel wähle ich absichtlich einen kontroversen Sektor: die Erdölbranche. Diese Unternehmen sind mit hohen Umweltrisiken konfrontiert, und oft in Lokalitäten mit zweifelhafter Rechtstaatlichkeit. Die Ölförderung verschmutzt die Umwelt, benötigt viel Wasser und hinterlässt eine zerstörte Natur.

Die Frage stellt sich nun, soll diese Branche generell aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen werden (Negative Screening)? Oder ist mir vielmehr wichtig, dass in der Branche ein Umdenken stattfindet – im Wissen, dass Erdöl nicht einfach substituiert werden kann? Dann kann ich als Investor Druck auf das Unternehmen ausüben (Engagement/ Stimmrechtsausübung) oder ich investiere nur in den Klassenprimus (Best-in-Class).

Die Wahl der Anlagestrategie ist das eine, die Unternehmensbewertung das andere. Dafür wählt der Analyst verschiedene ESG Kriterien. Er stellt dazu einen ausführlichen Katalog an Fragen zur ökologischen und sozialen Dimension sowie zur guten Unternehmensführung zusammen. Am einfachsten orientiert er sich an den Indikatoren der Global Reporting Initiative (GRI) oder er nimmt den UN Global Compact mit seinen 10 Prinzipien als Basis. Es interessiert, ob das Unternehmen die umweltpolitischen Standards in den jeweiligen Ländern einhält, in denen es tätig ist, oder ob es eventuell sogar noch mehr macht. Wie geht es mit der lokalen Bevölkerung um? Schafft es Arbeitsplätze in der Region/ Land wo es sonst wenig Möglichkeiten gäbe? Je nach Branche oder Sektor werden die Indikatoren der ESG-Dimensionen unterschiedlich stark gewichtet: Bei einem Unternehmen der Textilindustrie könnte ich so die soziale Dimension relativ zur ökologischen anders gewichten wie bei einer Erdölraffinerie.

Was bedeutet das nun wenn ich ein Investment tätigen möchte?

  1. Ich muss mir überlegen, welche Strategie ich wähle, diese ist abhängig von meinen Wertvorstellungen/ ethischen Bedenken
  2. Ich frage meinen Kundenberater, ob sein Arbeitgeber Nachhaltigkeit im Unternehmen berücksichtigt und ob er nachhaltige Anlagen anbietet
  3. Wenn ja, lasse ich mir den Prozess für diese nachhaltigen Anlagen erklären: Welche Strategie liegt den Fonds zugrunde, wie bewerten sie ein Unternehmen nach ESG; Gewichtung ESG Kriterien ja/ nein; wie viele Kriterien kommen pro Dimension zur Anwendung etc.
  4. Gefällt mir der Ansatz, investiere ich direkt in den Fonds. Alternativ kann ich auch in ein bestimmtes Unternehmen direkt investieren

Muss ich jedoch, wenn ich in nachhaltige Anlagen investiere, auf Rendite verzichten oder sind diese Anlagen sogar die besseren Performer? Mehr dazu im nächsten Blog.

Leselinks:

LGT Finanzblog: Green Investments:  Wie nachhaltig sind grüne Geldanlagen wirklich? (06.03.2014)

Nachhaltigkeit bei LGT: Bericht 2010 bis 2012

Forum Nachhaltige Geldanlagen: Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2013

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 27. März 2014 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Grünes Geld = leere Tasche? « LGT Finanzblog

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.