Wenn aus Schulnoten Banknoten werden

Wenn aus Schulnoten Banknoten werden 

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Bares für gute Noten? Zeugnisgeld für Schüler ist zwar umstritten, wird aber dennoch immer öfter gezahlt. Teilweise sogar von Unternehmen als Teil ihres Jugendmarketings.

Damit spricht der deutsche Professor Rolf Wernitz vielen Schülerinnen und Schülern wahrscheinlich aus der Seele. Vor allem jenen, die mit einem nicht ganz so glänzenden Zeugnis das zurückliegende Schuljahr abgeschlossen haben: Fehler mit schlechten Noten zu sanktionieren, sei der falsche Weg. Fehler seien vielmehr die Grundlage für Diskussionen, ist der Pädagoge an der Leibniz Universität in Hannover überzeugt.

Und was ist mit den leistungsstarken Schülerinnen und Schülern, mit denen man nicht diskutieren muss? Sie erhalten für gute Noten in immer mehr Fällen eine Prämie – umgangssprachlich Zeugnisgeld genannt. Eine deutschlandweite Umfrage des Instituts Forsa im vergangenen Jahr ergab: Knapp 60 Prozent der Eltern belohnen ihre Kinder für ein gutes Zeugnis. In 20 Prozent der Fälle gibt’s Bares, wobei die Beträge zwischen 20 und mehr als 100 Euro schwanken. In den meisten Fällen wird eine gute Note mit 20 bis 50 Euro honoriert.

„Batzen“ und Döner für gute Noten

Auch Unternehmen haben das Marketing-Potenzial solcher Geld- oder Naturalien-Prämien längst erkannt. Im vergangenen Jahr belohnte zum Beispiel ein Elektronik-Grossmarkt in der Schweiz gute Noten ihrer jungen Kunden mit „Zeugnisbatzen“ zwischen zwei und vier Franken auf Geschenkgutscheinen. In Deutschland dürfen Kinder für gute Noten mancherorts kostenlos ins Schwimmbad. Und in Gelsenkirchen spendierte vor einiger Zeit ein Döner-Imbiss besonders erfolgreichen Schülerinnen und Schülern mehrfach kostenlose Speisen und Getränke. Manche regionalen Banken schreiben ihren jungen Kunden für ein gutes Zeugnis ein paar Euro auf deren Jugendkonten gut.

In den USA wurden Schüler versuchsweise von der Schulbehörde New York mit ansehnlichen Prämien für gute Noten belohnt. Im Einzelfall konnten es schon einmal 500 Dollar sein. Tatsächlich stieg die Erfolgsquote beim Mathe-Abschlusstest deutlich an. Lernt – wer Geld bekommt – besser rechnen? Hierzu gibt es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Pädagogen sind geteilter Meinung

Doch selbst wenn das Zeugnisgeld bei manchen Eltern und Pädagogen sehr umstritten ist, lässt sich eines nicht bestreiten: Auf diese Weise lernt der Nachwuchs schon früh, was später im Erwerbsleben selbstverständlich ist – dass in der Regel mehr verdient, wer sich anstrengt und erfolgreich ist. Bedenklich würde die Zahlung von Zeugnisgeld wohl erst, wenn sich die Schülerinnen und Schüler für ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ aussprächen.

Lesetipps
Pressemitteilung über die Forsa-Umfrage in Auftrag von „Studienkreis“
Ratgeberbeitrag zum Thema „Zeugnisgeld“

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 23. Juli 2019 | marktEINBLICKE

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