Zinsverbot 

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«Du darfst von deinem Bruder keine Zinsen nehmen: weder Zinsen für Geld noch Zinsen für Getreide, noch Zinsen für sonst etwas, wofür man Zinsen nimmt», steht in der Bibel im 5. Buch Mose. Vielleicht würde Zyperns Staatshaushalt besser dastehen, wenn es das Zinsverbot noch gäbe.

Viele Staatshaushalte leiden unter den Schuldzinsen, die sie für die aufgenommenen Anleihen ihren krisengeschüttelten Haushaltsbudgets abzwacken müssen. Dass sich Staaten und Privatpersonen auf Pump finanzieren, ist kein neues Phänomen. Doch viele Jahrhunderte lang gab es diese Möglichkeit nicht. Denn bereits in vorchristlichen Zeiten gab es Zinsverbote. In Persien beispielsweise hielt man das Erheben von Zinsen für verwerflich, und der griechische Philosophen Aristoteles fand Zinsen gar hassenswert. Wie heute noch der Islam, kannten früher auch das Judentum und das Christentum ein Zinsverbot. Mit dem Zinsverbot wollte man Wucher unterbinden, zudem betrachtet man Gewinn ohne Arbeit als eine Todsünde. Auch nach Karl Marx durfte der Geldverleih keine Zinsen bringen, weil die Zeit unentgeltlich sei und nur der Gesellschaft gehöre. Allerdings ersetzte Marx die alleinige Verfügungsberechtigung Gottes durch die der Gesellschaft.

Das Zinsverbot wurde immer wieder geschickt umgangen und durch Ausnahmeregelungen gelockert. 1545 hob es der englische König Heinrich VIII. auf, nachdem er mit dem Papst gebrochen hatte. Zur gleichen Zeit begann es im Heiligen Römischen Reich zu bröckeln, bis dann im Westfälischen Frieden von 1648 ausdrücklich die Verzinsung von Darlehen gestattet wurde.

Heute besteht das Zinsverbot vor allem in Teilen der islamischen Welt. Zinsen werden durch eine Beteiligung am Gewinn ersetzt. Und obwohl es in seiner engen Auslegung die Bankgeschäfte stark behindert, kann es findigen Kreditsuchenden den Zugang zu neuen Geldgebern eröffnen. So hat die türkische Regierung Investoren kürzlich eine siebenjährige, nach islamischem Recht konzipierte Anleihe angeboten, die um mehr als das Fünffache überzeichnet wurde. Dem türkischen Staat geht es mit dieser islamkonformen Anleihe wohl weniger um religiöse Motive: Er kann mit der islamkonformen Anleihe die Finanzierungsquellen des Staatshaushalts diversifizieren.
Selbst die USA hätten das islamische Zinsverbot eingeführt, bemerkt der kritische Ökonom Alexander Dill spöttisch. Durch die ausufernde Kreditvergabe-Politik der US-Notenbank habe der Zins seine Funktion als Geldvermehrer eingebüsst und sei zur Bereitstellungsgebühr geworden.

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