Zum Wohl: Whisky-Scheine und Biermünzen

Zum Wohl: Whisky-Scheine und Biermünzen 

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Mit Biermünzen zahlte man im 17. Jahrhundert seinen Krug Gerstengebräu. Und weil ein Schiff mit Banknoten im Zweiten Weltkrieg auf Grund lief, durften sich manche Insulaner kurzfristig sogar über Whisky-Geldscheine freuen. Hier die ganze Geschichte.

Mitunter liefert das wirkliche Leben die besten Plots. Der schottische Autor Compton Mackenzie (1883-1972) wäre vielleicht längst nicht so bekannt geworden, hätte er nicht Ende der 1940er Jahre den Roman „Whisky Galore“ verfasst, der die Vorlage für den wenig später in den USA produzierten Film „Tight Little Island“ lieferte. Mackenzie griff in seinem Roman einen dramatischen Vorfall während des Zweiten Weltkriegs auf.

Am 5. Februar 1941 lief das britische Transportschiff SS Politican vor den Äusseren Hebriden auf Grund. Die Bewohner einer nahegelegenen Insel retteten die Besatzung. Als sie dann hörten, was das allmählich sinkende Schiff geladen hatte, fuhren sie trotz aller Gefahren noch einmal hinaus und sicherten einen grossen Teil der Fracht: An Bord befanden sich nämlich 28 000 Kisten mit schottischem Whisky, der nach Jamaica geliefert werden sollte. Tatsächlich gelang es den Insulanern nach offizieller Lesart, die hochprozentige Ladung noch in Sicherheit zu bringen – und mehr als einmal auf den Erfolg anzustossen.

Auf der Suche nach Whisky-Banknoten

Doch der Whisky-Frachter barg ein Geheimnis, das erst nach und nach ans Tageslicht kam. Neben den Whisky-Fässern befanden sich auch rund 290 000 frisch gedruckte Banknoten an Bord des havarierten Schiffes. Diese jamaikanischen Zehn-Shilling-Scheine waren in Grossbritannien für die ehemalige Kolonie in der Karibik gedruckt worden.

Was ist mit diesen Banknoten geschehen? Waren die Insulaner plötzlich nicht nur reich an Whisky, sondern auch an Geld? Weder noch. Den Whisky mussten sie später nachversteuern, und die meisten Banknoten wurden sichergestellt. Die restlichen Scheine erklärte die Regierung schliesslich für ungültig. Doppeltes Pech für die Inselbewohner. Aber immerhin ist die Geschichte des Geldes seither um die Anekdote rund um die „Whisky-Geldscheine“ reicher.


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Die Biermünzen des Herzogtums

Eine ganz andere Bewandtnis hat es mit der „Biermünze“, die im 17. Jahrhundert im damaligen Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel geprägt wurde. Damals war der Preis für einen Krug des Gerstensaftes auf viereinhalb Pfennige gestiegen. Das Problem dabei: Es gab keine halben Pfennigstücke, die der Wirt seinen Gästen hätte herausgeben können. Und von Trinkgeldern schien man damals nicht viel gehalten zu haben. Also löste man das Problem ganz pragmatisch und prägte eine Biermünze mit einem numerischen Wert von 4,5 Pfennigen. Die Biermünze von dazumal befindet sich übrigens als Kuriosität im Münzkabinett des Landesmuseums Hannover.

Whisky-Geldscheine und Biermünzen – mancher mag da den Begriff „Liquidität“ vielleicht auf seine ganz eigene Art deuten.

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