Zwischen Krösus und Geizhals: Vom Umgang mit Geld

Zwischen Krösus und Geizhals: Vom Umgang mit Geld 

Wenn es ums Geld geht, neigen viele zu Extremen. Großzügigkeit und krankhaft übersteigerter Geiz markieren die Amplitude finanzieller Verwirrungen.

Geizhälse haben üblicherweise wenige Freunde. So richtig geliebt werden sie nur von den Erben. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Theodor Fontane brachte es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Geizhälse sind eine Plage ihrer Zeitgenossen, aber das Entzücken ihrer Erben“.

Tatsächlich ist Geiz keineswegs geil, wie uns die Werbebotschaft eines deutschen Elektronik-Einzelhändlers jahrelang weismachen wollte, sondern eine biblische Todsünde. Allerdings wird sich jeder Geizhals mit dem Argument verteidigen, er sei nicht geizig, sondern nur sparsam. Und das sei eben keine Sünde, sondern eine bürgerliche Tugend. Über die Frage, wo Sparsamkeit endet und der Geiz beginnt, lässt sich trefflich streiten. Man kann aber auch ganz pragmatisch antworten: Sparsamkeit ist der nicht nur unter ökonomischen Aspekten verantwortungsbewusste Umgang mit knappen Ressourcen. Geiz hingegen ist eine extrem übersteigerte Form der Sparsamkeit, die Züge eines Wahns annehmen kann.

So wie bei dem wohlhabenden Pariser Ehepaar Tardieu im 17. Jahrhundert. Monsieur Tardieu soll so geizig gewesen sei, dass er seinen Pferden den Hafer weg aß. Die Tiere waren dadurch am Ende so geschwächt, dass sie kollabierten, als sie die alte Kutsche des Ehepaars ziehen sollten. Der Dramatiker Molière widmete diesem später ermordeten und ausgeraubten Ehepaar mit seinem Stück „Der Geizige“ ein mahnendes literarisches Denkmal.

Was macht aber einen Menschen zum Geizhals? Die Gene, die Erziehung, oder doch nur die „graue Hirnsubstanz“ , wie es Forscher an der Universität Zürich vor einiger Zeit behaupteten? Demnach haben angeblich geizige Menschen weniger graue Hirnsubstanz zwischen Scheitel- und Schläfenlappen als altruistische Zeitgenossen.

Ob Geizhals oder Krösus – vielleicht gibt ja auch ein Hormon den Ausschlag. Wissenschaftler an der Claremont Graduate University in Kalifornien wollen schon vor rund zehn Jahren herausgefunden haben, dass Oxytocin den Menschen spendabler macht. In einem entsprechenden Versuch wurde der einen Hälfte der Probanden ein Spray mit dem Hormon Oxytocin in die Nase gesprüht, die andere Hälfte bekam nur unwirksames Salzwasser. Anschließend erhielten alle Versuchs-Teilnehmer den gleichen Geldbetrag, von dem sie einen Teil spenden sollten. Die Höhe der Spende konnten sie selbst bestimmen. Die mit Oxytocin behandelten Probanten erwiesen sich dabei als erheblich großzügiger als die andere Gruppe, die nur ein Placebo bekommen hatte.

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Bild: By Martin Kingsley from Melbourne, Australia (Cashmoney) CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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